Frau Blumenfee und der Blütenzauber

Ein ganz besonderer Blumenladen ist der Laden von Frau Blumenfee: Geheimnisvoll, gemütlich, spannend ...

Gerne besuchten die Leute den kleinen, verwinkelten Blumenladen von Frau Blumenfee. Es roch so wundersüß hier. Außerdem bot Frau Blumenfee ihren Kunden stets leckere Tees, fremd duftende Kekse und auch ein Ohr für Kummer und Sorgen an. Blumen gab es hier natürlich auch zu kaufen. Auch solche, die man in anderen Blumengeschäften und Gärtnereien nicht so häufig fand. Alte Blumensorten und Kräuter waren es, die in ihren Farben vielleicht nicht ganz so blitzblank leuchteten und deren Blüten nicht perfekt groß gewachsen waren. Blumen, die nicht unbedingt  in kunstvolle Blumenvasen passten und den Leuten kein strahlendes „Kauft mich!“ zuriefen.
Gerade diese weniger schönen und perfekten Blumen liebte Frau Blumenfee am meisten, und ihre Seele schmerzte, wenn mache Leute sie ‚unscheinbare Blümchen‘ oder gar verächtlich ‚Unkraut‘ nannten. Und klar, nur wenige beachteten jene weniger prachtvollen Blumen. Sie kauften sie auch nur selten.
„Sie wissen es nicht anders“, tröstete Frau Blumenfee die geschmähten Blümchen, doch diese brauchten ihren Trost nicht. Sie wussten um ihre Kräfte, die sie in Blüten, Blättern und Stängeln in sich trugen. Eigentlich  wusste Frau Blumenfee dies auch. Sie band ihre verschmähen Blumenlieblinge zu prachtvollen Sträußen und hängte sie kopfüber überall im Laden zum Trocknen auf. Schön sah das aus! Und wie himmlisch es duftete! Später bewahrte sie die getrockneten Blüten und Kräuter in fröhlich bunten Dosen auf, die überall im Laden zwischen Büchern und Kerzen standen.
Und heimlich, ganz leise, kamen jene Pflanzen so doch noch zu den Menschen. In den Tees, die sie bei Frau Blumenfee so gerne tranken, und in den schmackhaften Keksen, die sie zu ihrem Becher Tee aßen. Und wie durch ein Wunder fühlten sich viele Kunden, die müde und gestresst Frau Blumenfees Laden betraten, plötzlich ein bisschen besser und ruhiger und fröhlicher. Und weil es ihnen auf einmal so wohl ging, kaufen sie viele Blumensträuße. Am liebsten jeden Tag einen anderen.
„Sie sind eine Zauberin“, sagte manch einer. „Nein, eine Verzauberin sind Sie, verehrte Frau Blumenfee“, meinten andere. „Eine echte Blumenfee eben.“
Und Frau Blumenfee lächelte und zwinkerte den weniger schönen Blümchen mit den winzig kleinen Blütenköpfen verschmitzt zu, und wenn man genau hinsah, könnte man glauben, die Blümchen lächelten mit einem leisen Kichern zurück. Psst…!

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

06. Juli 2013 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Kindergeschichten, Märchen, Naturgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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