Leon und die Flaschenpost

Leon hat am Fluss eine Flaschenpost gefunden, doch die Botschaft kann er nicht lesen. Das Blatt ist leer. Oder ist es in einer Geheimschrift geschrieben? Egal. Leon will nun auch eine Flaschenpost auf die Reise schicken.

„Ich habe eine Flasche am Fluss gefunden”, sagt Leon. “Mit einem Brief.“
„Toll“, sagt Papa. „Und was steht in dem Brief?“
„Nichts“, sagt Leon. „Das Blatt ist leer. Bestimmt ist der Brief mit einer Geheimschrift geschrieben.“
„Bestimmt“, meint Papa, und Leons Schwester Jenni kichert.
“Warum gibt es überhaupt Flaschenpost?”, fragt Leon. “Man kann seine Briefe doch in einen Briefkasten werfen oder gleich eine eMail schicken.“
“Na ja”, meint Papa, “wenn du als Schiffbrüchiger auf einer einsamen Insel sitzt, findest du schlecht ein Postamt oder Strom für einen Computer.”
“Was?” Ungläubig starrt Leon seinen Vater an. Wollte der ihn veralbern?
“Haben Schiffbrüchige die Flaschenpost erfunden?”, fragt er.
“Das kann man so sagen”, meint Mama, und Papa fügt hinzu:
“Weil in der Flasche Luft ist, schwimmt sie an der Wasseroberfläche wie ein Schwimmring. Luft ist nämlich leichter als Wasser. Oft wurden Schiffbrüchige gerettet, weil ein Schiff unterwegs die Flasche mit ihrem Hilferuf im Meer treiben sahen oder weil die Flaschenpost an einem Strand oder Ufer gelandet war.”
“Toll!” Leon staunt. “So eine Flaschenpost will ich auch verschicken. Vielleicht landet sie auch auf einer Insel.”
“Höhö! Auf dieser Insel ist bestimmt keiner, der dir antwortet!”, stichelt Jenni.
“Phhh!“, macht Leon. Und ohne weiter auf das Geunke seiner Schwester zu hören, schreibt er nach dem Essen gleich einen Flaschenpostbrief:
“Hallo! Ich bin ein Pirat und sitze auf einer einsamen Insel. Hier ist es ganz schön langweilig. Wenn du diese Flaschenpost findest, dann schreib mir bitte eine Antwort. Meine Schwester Jenni glaubt nämlich nicht, dass das mit der Flaschenpost funktioniert. Liebe Grüße, dein Leon (7 Jahre alt). Meine Adresse steht hinten auf der Briefrolle.”
Am gleichen Abend noch macht Leon mit seinen Eltern einen Spaziergang zum Fluss und wirft seine Briefpost fast bis zur Flussmitte.
“Tschüüüs!”, ruft er ihr hinterher. “Verirr dich nicht! Ich warte auf Antwort!”
Doch da ist die Flasche in der starken Strömung schon fortgetrieben, und Leon reibt sich zufrieden die Hände.
“Die ist bald am Meer”, sagt er.
Daran denkt er auch noch beim Schlafengehen. Klar, wovon Leon heute Nacht träumen wird, oder?

© Elke Bräunling

ACHTUNG!
Schaut mal bitte unten in die Kommentare. James Ismael Kuck vom Blog „flaschenposten“ hat noch etwas ganz Wichtiges für alle, die auch einmal eine Flaschenpost schreiben möchten, geschrieben.
Danke, Captain Kuck! 🙂

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

22. Juli 2013 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Familiengeschichten, Gutenachtgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Liebe Elke,jetzt habe ich mir die schönste Flasche aus meinem Bestand gesucht, habe dir einen schönen Brief geschrieben und hineingepackt, den Korken festverschlossen und morgen werfe ich sie in den Ölbach. Sagst du mir Bescheid, wenn sie angekommen ist, bitte!So eine schöne Geschichte…liebe GrüßeRegina

  2. Eine Flaschenpost mit einem leeren Zettel, – ja, das kommt oft vor! Meistens liegt es daran, dass die Schrift vom Sonnenlicht ausgeblichen ist. Oder es ist etwas Wasser in die Flasche gekommen und hat die Tinte ausgewaschen.

    Damit so etwas nicht passiert, habe ich für Leon und alle anderen Flaschenpostschreiber einen Tipp:
    Schreibt euren Flaschenbrief mit Bleistift! Dann ist er auch nach vielen Jahren noch gut zu lesen.

    Und natürlich die Flasche ganz fest verschließen, aber das ist ja sowieso klar!

  3. Hey, danke für diesen Tipp!
    Da werde ich am Ende des Textes doch gleich mal darauf hinweisen, diesen Kommentar unbedingt zu lesen. Einverstanden?
    Dankeschön und lieber Gruß
    Ele

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