Als Frau Sonne streikte

Als Frau Sonne streikte

Oft ist die Sonne nicht einverstanden mit dem, was sie auf der Erde so sieht. Überhaupt nicht leiden mag sie stinkende Autoschlangen und eine schmutzige Umwelt. Eines Sommertages beschließt sie zu streiken. Eine Umweltgeschichte

sonnenhausen
Ein Gruß aus der Stadt „Sonnenhausen“, gemalt von der Künstlerin Sonja Mengkowski

„Mir stinkt´s“, sagte Frau Sonne eines sonnigen Frühsommertages. Sie rümpfte ihre Sonnennase und deutete auf die vielen langen Autostaus und den stinkenden Qualm auf den Straßen. „Für dies da unten sind mir meine kostbaren Strahlen zu schade“, schimpfte sie. „Was geht auf der Erde bloß vor sich?“
„Ausflüge machen die Menschen mit ihren Fortbewegungsmitteln, die sie Autos, Busse und Motorräder nennen“, erklärte die Wolkenfee. „Sie sind unterwegs, um Sonne und frische Luft zu tanken und Abenteuer zu erleben, wie sie sagen.“
Frau Sonne empörte sich noch mehr. „Auf der Suche nach frischer Luft verpesten sie dieselbe? Ha! Wie töricht sie sind! Also ich, ich habe jetzt eigentlich keine Lust mehr auf Sonnentage. Wolkenfee, es gibt Arbeit für dich!“ Sie gähnte. „Ich fühle mich nämlich ganz urplötzlich so müde. Ja, ich glaube, ich muss ein wenig Ruhe tanken. Und mir einen Ort suchen, an dem ich frische, saubere Luft ‚tanken’ kann.“
Die Wolkenfee grinste. „Ganz schön schlau bist du“, sagte sie voller Bewunderung.
Sie rief ihre Wolkenherden, und bald hingen dicke, dunkle Wolken tief über dem Land. Tagelang. Wochenlang.
Verärgert blickten die Menschen zum Himmel. Wolken im Sommer? Gemeinheit! Sie stahlen der Sonne den Platz am Himmel! Und überhaupt: Im Sommer hatte die Sonne zu scheinen. Das gehörte sich so! Laut fluchten die Menschen vor sich hin.
Die Wolkenfee rieb sich vergnügt die Hände, während Frau Sonne hinter den Wolken versteckt schlief. Nur manchmal ließ sie für ein paar Stunden ihre Strahlen durch die Wolkendecke blinzeln. Für die Pflanzen, Tiere und Kinder. Aber sobald sich an den Wochenenden oder an Feiertagen auf den Straßen wieder Autoschlangen stauten, zog sie sich zurück. So blieb es oft in jenem Sommer düster und kalt und regenfeucht im Land.
„Vielleicht“, sagte Frau Sonne, „kommen die Menschen auf diese Weise zur Vernunft!“
„Tja“, murmelte die Wolkenfee. „Man soll die Hoffnung nie aufgeben…“
Nun, man wird sehen, was sich die beiden im nächsten Sommer einfallen lassen. Oder vielleicht haben die Menschen eine Idee?

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

24. Juli 2013 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Märchen, Naturgeschichten, Sommergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Oje, auf die Vernunft und Ideen Menschen zu hoffen, ist ein gewagtes Unterfangen. Heute hat sich die Sonne wieder gezeigt … sehr sehr mutig.Nur im Moment schläft sie wieder … hinter dem Horizont gleich rechts … ;-)Gute Nacht,Andrea

  2. Hier ist sie auch, aber ich glaube, sie wird nicht lange bleiben. Sie schielt bereits zum Ruheplätzchen am Horizont hinten rechts ;)))Schön, dich hier im neuen Blogbaby begrüßen zu dürfen.Lieber GrußElke

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