Leo, der König aller Tiere

Als der dicke Kater Leo von den Kindern hört, dass Leo auf „lateinisch“ ‚Löwe‘ heißt, fühlt er sich auf einmal mächtig groß und stark und auch ein bisschen eingebildet. Wie enttäuscht ist er, als er merkt, dass die Kinder und alle Tiere im Dorf in ihm so gar nicht den Löwen oder die Großkatze sehen …

kater-luluKater Leo und seine Freunde findet ihr auch bei meiner lieben Kollegin Sonja Mengkowski

Faul liegt Leo, der dicke Kater, in der Sonne bei der Scheune. Er belauscht die Kinder, die neben ihm im Gras sitzen und sich ein Bilderbuch mit Tieren aus Afrika ansehen.
Interessant, denkt Leo, was man von seinen Kollegen aus fernen Ländern so alles erfährt. Katzen, hört er gerade, soll es in diesem Afrika auch geben. Großkatzen, die Löwen heißen. Der Löwe, hört Leo weiter, ist dort sogar König der Tiere.
Toll. Ein Katzentier als König der Tiere. Stolz leckt Leo über sein rotbraunes Fell. Ich bin etwas ganz Besonderes, denkt er. Ich weil ich hier im Dorf der größte Kater bin, bin ich auch so etwas wie eine Großkatze.
„Jawohl“, brummt er leise, „ich bin ein großer Kater. Ein Großkater. Wundervoll toll.“ Zufrieden macht er es sich auf seinem Ruheplätzchen noch etwas bequemer.
„Wisst ihr, was Löwe auf lateinisch heißt?“, ruft da eines der Kinder und lacht. Es deutet auf Leo. „Leo“, heißt Löwe auf lateinisch. „Wie unser dicker, fauler Kater.“
Leo blinzelt. Prima. Er, der Großkater des Dorfes, trägt den Namen ´Löwe´. Also ist er auch der König aller Tiere hier. Nicht schlecht. Er hebt den Kopf und blickt zu den Kindern hinüber.
Die aber lachen bloß. „Dieser dicke, faule Katerkerl, der nicht mal Lust zum Mäusefangen hat, ist nach einem Löwen getauft?“, kichern sie. „Hohoho.“
Da tut Leo, als schliefe er tief und fest. Am Abend aber macht er sich auf den Weg durchs Dorf. „Ich bin ein Löwe, der König aller Tiere“, sagt er zu den Kühen, Pferden, Schweinen, Hühnern, Enten, Hasen, Fröschen und besonders zu seinen Katzenkollegen. Denen aber fällt auch nichts anderes ein, als zu lachen und sich über ihn lustig zu machen. Selbst die Mäuse, die sich in seiner Nähe frech aus ihren Mauselöchern wagen, kichern in den höchsten Tönen. „Hihihihiiiii!“
Laut und fröhlich geht es in dieser Nacht im Dorf zu.
Großkater Leo, der König der Tiere, ist tief gekränkt. „Ihr werdet meine königlichen Qualitäten noch kennen lernen“, brummt er, doch er brummt es nur ganz leise in seinen Bart. Dann legt er sich in königlicher Würde wieder auf seinen Schlafplatz. „Morgen“, nimmt er sich vor, „werde ich es ihnen zeigen. So sehr, bis mir alle Respekt zollen. Zuerst fange ich in meinem Katerreich an. Und wehe, ich höre noch einmal ein Katzentier oder ein nichtsnutziges Mausevieh lachen! Wehe! Alle werden sie mich kennen lernen. Doch nun muss ich mich erst einmal ausruhen. Eine harte Zeit liegt vor mir.“
Und als die Kinder an diesem Tag wieder in den Hof kommen, sehen sie Kater Leo dick und faul und träge und bei der Scheune liegen. Leo blinzelt und dreht sich auf die andere Seite. Vom Kinderbelauschen hat er erst einmal die Nase voll. Ist mir zu stressig, was man da alles so zu hören bekommt, denkt er und schläft auf der Stelle ein.

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

08. August 2013 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Tiergeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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