Als die Augustfee die Äpfel küsste

Im August gibt es viel zu tun für die Augustfee. Die Früchte an den Bäumen müssen reifen und dazu brauchen sie viele warme süße Feenküsschen

apfelhausen‚Apfelhausen‘, die Lieblingsstadt der Augustfee, gemalt von Sonja Mengkowski

An einem sonnenwarmen Augusttag landete die Augustfee nach langer Reise in dem kleinen Land. Träge und satt lag es vor ihr. Die Bäume und Büsche prangten in tiefem Grün und die Wiesen zeigten sich stolz in ihrem zweiten Blütenkleid. In den Gärten schimmerten reifendes Obst und pralle Gemüsefrüchte, von den Feldern leuchtete ihr das Korn vanillegelb entgegen.
Die Augustfee war hoch erfreut.
„Satt!“, rief sie und breitete die Arme aus. „Alles sieht reif und satt aus. Ja! Der August ist der Monat der lieblichen Süße. Jeder Tag mit Sonnenschein bringt der Natur und ihren Früchten ein bisschen mehr davon. Und das ist gut so. Schließlich trage ich, die Fee der süßen Reife, dafür Sorge. Und ich achte auf meine Fruchtkinder. Sehr sorgfältig sogar.“
Aufmerksam durchstreifte die Augustfee Wälder und Felder, Wiesen und Gärten, Parks und Weinberge. Die Arme hielt sie weit ausgebreitet und bei jedem ihrer Schritte stäubten klitzekleine Zuckerpuderkörnchen aus ihrem Zauberumhang. Die legten sich sogleich schützend auf die Früchte und schenkten ihnen viele Küsschen. Sie rochen würzig süß, diese Feenstaubküsschen. Nach Morgentau und Sonnenschein, nach Blütendüften, Kräutern, Honig, Meeresluft und ein bisschen auch nach Vanille. Sie krochen überall hin ins Land, diese Feenstäubchen, und alle Früchte beeilten sich, schnell nun zu reifen.
Nur die Äpfel – und auch ein bisschen die Weintrauben und Birnen – hatten wie jedes Jahr zum Reifen und zur Ernte noch keine Lust. Grün und mit säuerlichen Mienen ruhten sie unter dichtem Laub verborgen an den Zweigen ihrer Bäume und Rebstöcke und faulenzten sich durch die Augusttage. Fast schien es, als schliefen sie.
Die Augustfee kicherte leise.
„Sie versuchen es immer wieder. Schaut sie euch an!“, rief sie. „Hallo, ihr Drückeberger, wacht auf! Auch ihr müsst nun arbeiten. Der August ist ein Reifemonat und ihr müsst eure Gesichter der Sonne entgegen strecken. Ganz viele kleine Sonnenküsschen sollt ihr empfangen. Hört ihr? Beeilt euch!“
Doch weil es mit dem Beeilen so eine Sache ist, beschloss die Augustfee auch in diesem Jahr, das Problem mit den faulen Äpfeln und Birnen und Weintrauben alleine zu lösen. Wirbelwindschnell huschte sie von Baum zu Baum, von Weinstock zu Weinstock und küsste jedes kleine grüne Äpfelchen, jede Birne und jede einzelne Weintraube aus dem Sommerschlaf. Sie küsste und küsste und küsste … und damit hatte sie bis weit in den September zu tun, bis die ersten Äpfel längst rotwangig und süß in die Erntekörbe der Menschen gelegt wurden.

© Elke Bräunling

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Information

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Als die Maifee frische Freude brachte
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Als die Julifee die Sommerwärme brachte
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Als die Septemberfee den Sommer verabschiedete
Als die Oktoberfee das Land bunt bemalte
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Als die Dezemberfee ein Lächeln zauberte

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

12. August 2013 von Elke
Kategorien: Gutenachtgeschichten, Herbstgeschichten, Märchen, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | 12 Kommentare

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