Florian will keine Brillenschlange sein

Die neue Brille lässt Florian nicht schlafen. Er hat Angst. Werden die Klassenkameraden morgen lachen oder dumme Dinge sagen, wenn er das Klassenzimmer betritt?

Florian kann nicht einschlafen. In seinem Bauch grummelt es und sein Herz klopft mächtig. Es ist ein Angstbauchgrummeln und ein Angstherzklopfen. Beides fühlt sich überhaupt nicht gut an.
Florian schüttelt den Kopf. Nein, er will morgen nicht in die Schule gehen. Schule kann – manchmal – nämlich ganz schön gemein sein. Und morgen, ja, morgen würden sich bestimmt alle in der Klasse über ihn lustig machen. Wegen der Brille, die er bekommen hat und nun immer tragen muss, um die Worte an der Tafel besser lesen zu können. Scheußlich ist die und Florian kann sie auf den Tod nicht ausstehen.
„Auslachen werden sie mich in der Klasse“, murmelt er verdrossen und wütend auf die neue Brille. „Und ´Brillenschlange´ werden sie sagen.“
Er denkt an Maja. Sie sitzt vor ihm und lächelt ihn manchmal so lieb an, dass etwas in seinem Bauch zu hüpfen und sein Herz zu klopfen beginnt. Das aber ist kein Angstbauchhüpfen und kein Angstherzklopfen. Nein, ein angenehmes Glückshüpfen und ein Freudeklopfen ist es.
Florian mag Maja und heimlich hat er einmal ein Herz für sie an die Tafel gemalt. Da hat Maja ihn angelacht.
„Morgen wird sie mich nicht anlachen“, schimpft Florian. „Nein, wie alle anderen lacht sie mich auch aus. Wegen der doofen Brille.“
Irgendwann schläft Florian an diesem Abend dann doch ein.
Als er am nächsten Tag das Klassenzimmer betrifft, klopft sein Herz heftig und in seinem Bauch hüpfen tausend und  mehr Angstameisen auf und ab. Er sieht, wie sich Maja mit Eva unterhält. Ihn scheint sie nicht zu sehen. Auch die Klassenkameraden tun so, als sei es ganz normal, dass Florian heute eine Brille trägt. Keiner lacht und es sagt auch niemand ein Wort zu der Brille.
Florian seufzt erleichtert auf und das Grummeln im Bauch verschwindet langsam. Auch sein Herz schlägt wieder normal.
Später im Unterricht bekommt Florian eine Zettelpost. Sie ist von Maja. Ein Gesicht hat sie gemalt mit einer riesengroßen, lustig bunten Brille. Auf den Brillengläsern lachen Florian zwei fröhliche Lachgesichter mit Augen, die wie kleine Herzen aussehen, entgegen.
Florian lächelt und sieht, wie Maja einen roten Kopf bekommt.

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findet Ihr in dem neuen Buch: Da wird der Mut ganz groß


Taschenbuch:Da wird der Mut ganz groß: Mutgeschichten für Kinder
Ebook:Da wird der Mut ganz groß


Information

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

21. August 2013 von Elke
Kategorien: Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Mutgeschichten, Schulgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

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