Der kleine Glücksschimmer und das Glück

Der kleine Glücksschimmer möchte jemandem Glück bringen. Suchend durchstreift er die Stadt. Ob er fündig wird? Jeder kann schließlich Glück brauchen, oder?

Eines grauen Regentages streifte der kleine Glücksschimmer suchend durch die kleine Stadt. Am großen Schulhaus machte er Halt und linste durch das Fenster.
„Ich habe keinen Schimmer!“, sagte ein Junge in der Schulklasse gerade.
„Wie bitte?“, fragte die Lehrerin.
Der Junge sah die Lehrerin an. „Na ja“, meinte er. „Ich wollte sagen, ich habe keine Ahnung.“
„Keinen Schimmer? Keine Ahnung?“ Die Lehrerin wollte den Jungen nicht verstehen.
„Ich weiß nicht, wovon du sprichst,“ sagte sie. „Also bitte, steh auf, komm zur Tafel und zeige uns, wie man diese Rechenaufgabe löst!“
„Ich … “ Der Junge stand auf. „Ich habe Null Durchblick“, murmelte er, während er zur Tafel trottete. Er seufzte. „Und kein Glück.“
Kein Glück? Wer war hier glücklos? Und wer hatte eben nach ihm gerufen?
Aufgeregt schwebte der kleine, tapsige Glücksschimmer, der schon seit Tagen auf der Suche nach einem Job durch das nasse Nebelgrau wanderte, ins Zimmer herein. Und weil er so aufgeregt – und ungeschickt – war, setzte er sich nicht auf die Schulter des ratlosen Jungen, der das Glück vermisste. Nein, er legte sich auf das Haupt der strengen Lehrerin. Die schloss erschrocken die Augen und sah sich für einen Moment als kleines Schulmädchen vor der Tafel stehend wieder. Sie erinnerte sich, wie sie an jenem Tag damals eine schlechte Note bekommen hatte. Weil sie die Erklärungen ihrer strengen Lehrerin nicht verstanden und deshalb die Rechenaufgabe nicht hatte lösen können. Sie erschrak. Dann öffnete sie die Augen und lächelte.
„Warte!“, sagte sie zu dem Jungen. „Ich erkläre euch vielleicht besser noch einmal, wie man diese Rechnungen löst.“
„Danke!“ Der Junge sah sie dankbar an. Und als er wieder zu seinem Platz trottete, murmelte er: „Was hab ich für ein Glück an diesem grauen Tag!“
Glück?
„Oh“, sagte der kleine Glücksschimmer leise. „Hier werde ich nicht gebraucht. Ich muss jemanden finden, der sein Glück noch sucht.“
Und er zog weiter, doch heute hatte er irgendwie kein Glück damit, jemandem Glück zu bringen.

© Elke Bräunling

aus:

Buch: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Winter: Wintergeschichten
Ebook: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Winter
– Information –

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

28. August 2013 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Märchen, Schulgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

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