Max und der Herbstspinnengeist

‚Spinnen sind gefährliche Monster‘, träumt Max und er wacht weinend auf. Er hat nämlich einen verbotenen Film über Monsterspinnen gesehen. Mama schimpft nicht und sie kann Max trösten

Bei seinem Freund Timo hat Max am Nachmittag einen Film gesehen. Heimlich, denn die Eltern mögen es nicht leiden, wenn sie sich vor den Fernseher setzen. Doch heute haben sie diesen interessante DVD-Film im Zimmer von Timos großem Bruder entdeckt, und da die Luft rein war, haben sie sich den Film angesehen. Das heißt, sie haben sich nur den Anfang angeschaut, und der war so grausig, dass sie den Fernseher schnell wieder ausgeschaltet haben. Da war nämlich eine Spinne, die groß und immer größer gewachsen ist, bis sie höher als ein Haus war. Eklig hat sie ausgesehen. Und gruselgrausig. Wie ein gemeiner Geist. Brrrr…
Als Max am Abend im Bett liegt, sieht er oben in der Zimmerecke ein Spinnennetz. Da muss er wieder an diesen Film denken und mag erst das Licht ausmachen, wenn Mama das Spinnennetz entfernt. Sicher ist sicher. Aber auch jetzt kann er nicht einschlafen. Hoffentlich, denkt er, hat Mama die Spinne in ihrem Netz auch erwischt. Nicht auszudenken, wenn sie noch im Zimmer wäre und in der Nacht über sein Gesicht krabbelte. Max schüttelt sich. Ein wenig fürchtet er sich auch. Irgendwann schläft er dann doch ein.
Aber dann ist er auf einmal da, der Spinnengeist. Genauso grausig wie im Fernseher sieht er aus. Er kommt näher und näher und will über Max´ Gesicht krabbeln.
”Nei-ei-ein!”, schreit Max. ”Geh weg, du Ekelspinne, du! Hilfe! Mamaaa! Papaaa! Helft mir! Der Spinnengeist ist daaaaa!”
Gerade will der Spinnengeist an Max´ Nase knabbern, doch dann ist Mama da und nimmt Max in die Arme. Im gleichen Moment ist der Spinnengeist verschwunden.
”Ein Glück“, sagt Max und schnauft tief durch. ”Er ist weg.”
”Wer ist weg?”, fragt Mama. ”Hast du schlecht geträumt?”
Max schüttelt den Kopf und deutet zur Zimmerdecke, wo am Abend das Spinnennetz war.
”Der Spinnengeist war da”, sagt er. ”Er wollte mich beißen. Und er war riesig groß. Echt wahr!”
Mama staunt. ”Es gibt keine riesig große Spinnen, und einen Spinnengeist gibt es schon gar nicht.” Sie lacht. ”Hahaha, man stelle sich das vor!”
”Ich hab ihn aber gesehen”, ruft Max, der sich über Mamas Lachen ärgert. Vor lauter Ärger vergisst er sein Geheimnis mit dem Videofilm. ”Heute Mittag war er im Fernseher.”
Jetzt lacht Mama nicht mehr. ”Im Fernseher?”, fragt sie. ”Du warst doch mit Timo auf dem Spielplatz!”
”Ein bisschen”, meint Max nun sehr kleinlaut.
”Aha!” Mama weiß Bescheid. ”Und das andere Bisschen habt ihr heimlich vor dem Fernseher verbracht?”
Max nickt noch kleinlauter. Dann erzählt er Mama von dem doofen Spinnenmonster, das so grausig war, dass sie rasch den Fernseher ausgeschaltet haben.
”Hm.” Mama guckt böse. Sie will schimpfen, doch dann grinst sie. ”Ich glaube”, sagt sie, ”dieser böse Traum war schon Strafe genug, nicht wahr?”
”Und wie!”, seufzt Max. ”Nie mehr werde ich mir eine Spinne angucken.”
”Halt!”, sagt Mama. ”Falsch gedacht. Spinnen sind sehr nützliche Tiere, die Schnaken und Stechmücken und Läuse vertilgen.”
Max staunt. ”Spinnen helfen uns, dass wir nicht gestochen werden?”
”Auch”, sagt Mama. ”Außerdem sind sie große Künstler. Morgen sehen wir uns im Garten ein Spinnennest an. Du wirst staunen.”
”Und ich muss mich nicht grausen?”, fragt Max noch einmal vorsichtig.
”Nein”, sagt Mama. ”Spinnen sind für Menschen hierzulande ganz harmlos.” Ihre Miene wird streng. ”Aber vor dummen Gruselfilmen solltest du dich künftig grausen. Am besten, du schaust sie dir erst gar nicht an. Versprochen?”
”Versprochen!”, sagt Max. ”Großes Indianerehrenwort.”
Mama lacht. ”Nun wird aber geschlafen. Es ist schon spät.” Sie deckt Max wieder zu, und keine Minute später ist Max auch schon eingeschlafen.
© Elke Bräunling

Eine kürzere Fassung dieser Geschichte findest du hier: Max und der Spinnengeist
Diese Geschichte findet Ihr in dem Buch „Opas Gutenachtgeschichten“


Taschenbuch: Opas Gutenachtgeschichten: Betthupferl-Geschichten für Kinder
Ebook: Opas Gutenachtgeschichten
Information

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

18. September 2013 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Familiengeschichten, Geschichten über Gefühle, Mutgeschichten, Tiergeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | 7 Kommentare

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