Der kleine Bär und der Kicherzwerg

Es gibt keinen Grund, traurig zu sein. Das lernt der kleine Bär, als er im Wald den lustigen Kicherzwerg trifft

papa-baer-und-ichAuch Eisbären können Kicherbären sein. Ihr findet Sie bei meiner lieben Kollegin Sonja Mengkowski

Der kleine Bär, ist traurig. Gestern ist Papa Bär auf eine lange Wanderung hoch zu den blauen Bergen fort gegangen. Es wird lange dauern, bis er zurückkommt.
Der kleine Bär kann sich nicht vorstellen, wie er es so lange ohne Papa Bär aushalten soll. Immer wieder muss er an ihn denken, und er fühlt sich ganz elend dabei.
„Wenn Papa Bär nur bald wieder kommt!“, murmelt er und starrt in die Wellen des Baches, der hinter dem Bärenfelsen plätschert.
Da sieht er sein Gesicht im Wasser. Richtig trübsinnig und griesgrämig blickt es drein.
„Bin ich das?“
Der kleine Bär ist entsetzt. Er versucht zu grinsen, doch es klappt nicht. Das Wassergesicht bleibt grimmig und traurig.
Da nimmt sich der kleine Bär vor, sofort und auf der Stelle ein fröhliches Gesicht zu machen. Weil er aber die ganze Zeit an Papa Bär denken muss, gelingt ihm das nicht.
Da kichert es auf einmal laut und fröhlich neben ihm:
„Hihi! Hoho! Haha!“
Ein Zwerg ist es, der da steht. Es scheint ihm sehr gut zu gehen. Er hat nämlich nichts anders im Sinn als zu kichern und kichern und kichern…
„W-wer bist du?“, stammelt der kleine Bär. „Lachst du mich aus?“
„Ich – hihi – lache dich – hoho – nicht aus“, kichert der Zwerg. „Aber – haha – ich bin ein – hähä -, ein Ki-hihi-…, ein Kicherzwerg, und wir – huhu – Kicherzwerge haben nichts anderes als Kichern im Sinn.“
„Kichern? Ach so“, sagt der kleine Bär, obwohl er eigentlich überhaupt nichts versteht. „Und worüber kichert ihr immer?“
„Hihi“, kichert der Zwerg, „über alles und jeden. Einfach so. Hoho! Warum auch nicht? Eigentlich haben wir – haha – immer etwas zum Kichern.
Ja, warum auch nicht? Der kleine Bär überlegt einen Moment.
„Seid ihr denn nie traurig?“, fragt er dann.
„Traurig? Huhu!“ Der Kicherzwerg schüttelt den Kopf. „Klar, sind wir auch traurig und das ist in Ordnung so. Es gehört zum Leben und jeder, der traurig ist, darf weinen, so viel und lange er möchte. Dann aber ist es wichtig, auch die hellen und fröhlichen Dinge im Leben wieder zu sehen. Oder sollen wir nun immer weinen? Uns grämen und grausen, trauern und sorgen? Sag, wird sie kleiner so, die Traurigkeit?“
„Eigentlich nicht“, meint der kleine Bär zögernd.
Der Kicherzwerg nickt. „Eben“, sagt er. „Deshalb kichern wir lieber. Lachen tut nicht weh, weißt du? Merke dir: Immer froh und heiter geht alles leichter weiter.“
Der kleine Bär nickt. Dieser Spruch gefällt ihm.
„Klingt gut“, ruft er. „Das werde ich mir merken.“
Und zur Probe versucht er es gleich einmal mit dem Kichern und Frohsein:
„Hihi, hoho, haha“, kichert der kleine Bär. „Ich kann es! Jawohl! Siehst du, es klappt!“
Voller Freude blickt er zu dem Kicherzwerg, doch der ist verschwunden.
„Schade“, murmelt der kleine Bär. Er spürt, wie die Traurigkeit zurückkommen will. Gerade noch rechtzeitig fällt ihm der Spruch des Kicherzwerges ein:
„Immer froh und heiter geht alles leichter weiter“, sagt er schnell und muss lachen. „Hihi. Ja, das ist gut.“
Kichernd blickt der kleine Bär wieder ins Wasser. Und was sieht er? Ein fröhliches, lachendes Bärengesicht.
Na, ist das nichts?

© Elke Bräunling

Eine kürzere Fassung dieser Geschichte findest du hier: Sei nicht traurig, kleiner Bär

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

23. September 2013 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Märchen, Mutgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , | 5 Kommentare

Kommentare (5)

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  4. Hallo!

    Ich finde die Geschichte ist süß geschrieben, und sicher nur mit besten Absichten. Ich bin Sozialarbeiterin und derzeit beschäftigt mit trauernden Kindern. Ich denke, die Geschichte birgt die Gefahr, dass Kinder sich nicht traurig sein trauen – was ihnen von der Gesellschaft sowieso schon vorgegeben wird. Typische Phrasen und Einstellungen wie „Sei doch fröhlich“, und „ist doch nicht so schlimm“ bringen sie schnell dazu, zu lernen, dass Tränen und ein trauriges Gesicht in der Öffentlichkeit nicht gerne gesehen werden. Ich denke, wir brauchen mehr Geschichten, die Kinder auch ermutigen zu zeigen was sie fühlen und so lange sie es fühlen – weil jedes Gefühl richtig ist. Und wenn der Papa lange nicht da ist, dann darf man auch immer wieder traurig sein.

    Liebe Grüße!
    Maria aus Linz an der Donau

  5. Hallo Maria!
    Ein sehr guter Ansatz. Ich danke dir und du hast recht. Ich werde die Geschichte ein bisschen ergänzen.
    Dankeschön. Kommentare wie der deine sind so sehr hilfreich. Beim Schreiben hat man oft den Tunnenblick oder man nimmt die Gratwanderung auch nicht immer genau.
    Liebe Grüße und frohe Weihnachtszeit
    Ele

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