Der kleine Rabe und das Riesenrad

Laute Musik lockt den kleinen Raben aus dem Wald auf den Rummelplatz und dort wundert er sich sehr. Rummel, Kirmes, Kirchweih, was mag das nur sein? Der kleine Rabe ist neugierig, besonders auf das riesige Riesenrad

Der kleine Rabe langweilte sich. Seine Eltern waren unterwegs, und seine Freunde spielten Fangen. Der kleine Rabe hatte aber keine Lust, Fangen zu spielen! Die Welt wollte er kennen lernen. Vor allem diese fröhliche Welt drüben in der kleinen Stadt. Seit Tagen klangen Lieder zum Wäldchen herüber. Und Menschenlachen. Ja, und wenn er sich auf den Ast des höchsten Baumes setzte, sah er ein großes buntes, rundes Ding, das sich in der Luft drehte.
Was das wohl sein mochte? Der kleine Rabe war neugierig. Vorsichtig spähte er zu seinen Rabenkollegen hinüber, dann fasste er sich ein Herz und flog los auf das aufregend runde Ding zu. Je näher er kam, desto lauter wurde die Musik. Sie erklang genau von dem Platz, auf dem dieses seltsame, bunte Luftrad stand. Laut und fröhlich ging es hier ringsum zu.
”Was ist das?”, fragte der kleine Rabe die Amsel, die missmutig auf einem Hausdach saß und vergebens gegen die Musik anzusingen versuchte.
”Eine Unverschämtheit ist das”, wetterte die Amsel. ”Ich soll hier mein Liedchen singen, doch keiner meiner Kollegen hört mich wegen dieses Rummels da unten.”
”Und warum machen die Menschen das?”, fragte der kleine Rabe, der sich unter Rummel nichts vorstellen konnte. Ihm gefiel, was er sah und hörte.
”Sie nennen das ´Kirmes´, ´Kirchweih´ oder eben ´Rummel´”, sagte die Amsel. ”Jedes Jahr bauen sie diese lauten Dinger hier auf und freuen sich und feiern ihre Feste. Es soll Spaß machen, einen ´Rummelplatz´ zu besuchen, hat man mir erzählt.”
”Aha.” Der kleine Rabe nickte, obwohl er das alles nicht so ganz begriff. ”Und dieses bunte runde Ding, was ist das?”, fragte er die Amsel, die sehr erregt war.
”Ein Riesenrad”, tschilpte sie. ”Damit wollen die Menschen es uns Vögeln gleich tun und sich auch in die Lüfte schwingen.”
”Das kann ich gut verstehen”, sagte der kleine Rabe. ”Was gibt es Schöneres, als die Welt von oben zu bestaunen. Das muss ich mir doch gleich mal näher ansehen. Tschüs und Danke auch.”
Ehe die Amsel weiter meckern konnte, hatte sich der kleine Rabe schon auf den Weg zum Riesenrad gemacht. Langsam flog er über den Rummelplatz. Viele interessante Sachen gab es da zu sehen. Alles glitzerte in bunte Farben, doch der kleine Rabe hatte nur Augen für das Riesenrad. Wie erhaben es sich himmelwärts über den Platz erhob! Und wie froh die Menschen lachten, die in den kleinen Riesenradwägen saßen!
”Schööön”, rief ein kleines Mädchen und winkte dem kleinen Raben zu.
”Ja, Fliegen ist schööööön”, rief der kleine Rabe und setzte sich auf die Spitze des Riesenrades. Von dort konnte er am besten sehen, wie sich die Menschen, die sonst so arm waren und nur mit zwei Füßen auf der Erde laufen konnten, freuten. Und die Menschen hatten auch viel Spaß. Vor allem wegen diesem vorwitzigen, kleinen Raben, der immer wieder versuchte, auf dem höchsten Punkt des Riesenrades sitzen zu bleiben und deshalb mit jedem Meter, den sich das Rad nach rechts neigte, wieder einen Hüpfer nach links machen musste, was sehr drollig aussah.
© Elke Bräunling

In einer kürzeren Fassung findet Ihr die Geschichte hier: Als der kleine Rabe das Riesenrad besuchte

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Max und der Luftballonstrauß
Lena und die Mutprobe auf dem Jahrmarkt
Der Luftballon-Wettkampf

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

25. September 2013 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Gutenachtgeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

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