Herr Griesgram und die Kinder im Park

Manche Menschen können schon recht brummig und übellaunig sein. Herr Griesgram ist einer von ihnen. Er mag gute Laune nicht leiden und auch Kinder findet er „grässlich“. Darüber lachen die Kinder nur, denn wer nimmt schon einen Griesgram ernst?

Es war ein sonnig warmer, bunter Herbsttag.
Herr Griesgram, der sonnig warme, bunte Tage nicht ausstehen konnte, saß im Park auf einer Bank und suchte nach Gründen, um sich zu ärgern. Es liebte es nämlich, über alles und jeden zu schimpfen und zu meckern. Schließlich fühlte er sich am wohlsten, wenn er griesgrämig gucken konnte.
„Grässlich“, brummte er und sah auf das fröhliche Treiben ringsum. „Dieses laute Lachen der Kinder und die zufriedenen Gesichter der Erwachsenen – einfach grässlich ist das! Auf die Nerven gehen sie mir alle hier. Es gibt keinen Grund, fröhlich zu sein und zu lachen. Ha! Wo kämen wir denn da hin?“
Er sah zur Wiese hinüber, wo Kinder Ball spielten und laut „Tor! Tor! Tor!“ jubelten.
„Ich hasse es, wenn sie so laut schreien“, knurrte er und schnitt eine besonders griesgrämige Grimasse. Grausig sah er aus, wie er so da saß mit seinem bösen Fratzengesicht, den hängenden Mundwinkeln, dem Stirnrunzeln und den dunkel funkelnden Augen. Zum Gruseln grausig.
Die Leute, die an seiner Bank vorbei kamen, beschleunigten ihre Schritte und sahen schnell zur Seite. Der finstere Herr Griesgram sollte ihnen nicht den Tag verderben.
Da blickte Herr Griesgram noch grimmiger drein. Es gefiel ihm nicht, dass die Leute ihn nicht beachten wollten. Verflixt! In sein Gesicht blicken sollten sie und begreifen, dass gute Laune keinen Pfifferling wert war. Nein, sie sollten sich auch nicht freuen.
„Unverschämtheit!“ Er runzelte die Stirn noch ein wenig mehr und ließ die Mundwinkel noch ein wenig tiefer nach unten hängen.
Grrr …
Da baute sich ein kleines Mädchen, die Hände in die Hüften gestützt, vor ihm auf. Interessiert musterte es den grimmigen alten Kerl von Kopf bis Fuß.
„Warum guckst du so böse?“, fragte es schließlich. „Und warum hast du so diesen dunklen Anzug und den altmodischen Hut an? Das sieht langweilig aus.“
„Darum“, knurrte Herr Griesgram und grinste ein erbostes Fratzengrinsen.
Das Mädchen nickte. „Ach so“, sagte es, „du bist ein Schauspieler und übst für eine Griesgramrolle?“ Es klatschte in die Hände. „Toll! Fratzen schneiden kann ich auch.“
„Kannst du nicht“, grollte Herr Griesgram. Er war etwas aus der Fassung geraten.
„Kann ich doch!“ Das Mädchen stapfte mit dem Fuß auf.
„Das ist kein Spiel.“ Herr Griesgram wedelte abwehrend mit den Händen. „Geh weg, du ungezogenes kleines Ding!“
Das kleine Mädchen aber lachte und begann, Grimassen zu schneiden. Es legte die Stirn in Falten, ließ den Unterkiefer so weit nach unten hängen, dass sich die Unterlippe weit hervor wölbte. Dann riss es die Augen auf so weit es nur ging.
Witzig sah das aus. So witzig, dass die Leute stehen blieben und lachten.
Auch das kleine Mädchen lachte, bevor es sein Gesicht zu einer neuen Grimasse verzog. Spaß machte das! Und wie!
Klar, andere Kinder wollten nun auch Grimassen schneiden – und bald stand eine dichte Traube grimmig blickender, kichernder Fratzengesichter vor Herrn Griesgrams Bank.
Herr Griesgram fühlte sich sehr unbehaglich. „Unverschämtheit!“, polterte er schließlich, doch dieses Poltern klang etwas kläglich. So kläglich, dass er aufstand und mit eingezogenem Kopf ganz schnell den Park verließ.

© Elke Bräunling

Eine kürzere Fassung dieser Geschichte findest du hier: Kein Tag zum Ärgern

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

29. September 2013 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Herbstgeschichten, Mutgeschichten, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | 2 Kommentare

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