Großvater sucht die Farben des Herbstes

Bunt ist der Herbst, vor allem aber orangefarben. Warum orange?

„Herbst ist orange“, sagte das Kind. „Und grau.“
Der Großvater blickte erstaunt auf. „Orangefarben und grau?“
Das Kind nickte. Es deutete über die Straße zum Marktplatz. „Ich sehe orange … Und grau.“
Der Großvater schüttelte den Kopf. „Viele Farben sehe ich“, sagte er dann. „Und alle passen sie zum Herbst.“
„Und welche Farben siehst du?“ Die Stimme des Kindes klang etwas ungeduldig.
„Gelb“, sagte der Großvater und deutete zu den Kastanienbäumen und Birken bei der Kirche. „Ich sehe helles Zartgelb und ein strahlendes Hellgelb, ein Ockergelb und viel Gelbbraun. Schau hin! Der Herbst ist vor allem eine gelbe Jahreszeit.“
„Die Sonne ‚färbt’ das Land gelb. Aber siehst du irgendwo die Sonne?“ Das Kind deutete zum Himmel. „Es ist grau. Seit vielen Tagen schon.“
„Das sind Nebelwolken. Der Sonne fehlt im Herbst oft die Kraft, sie aufzulösen.“
Wieder nickte das Kind. „Und deshalb ist der Herbst grau.“
„Und rot und grün ist er auch“, versuchte es der Großvater aufs Neue und deutete auf das Weinlaub an den Fassaden der Häuser und die Tannen in den Vorgärten. „Siehst du? Rot und grün.“
Wieder schüttelte das Kind den Kopf.
„Die roten Blätter fallen immer mehr zu Boden. Und dann siehst du wieder das Grau.“ Es lachte. „Und graue Nebelfetzen sehe ich auch in den Tannen.“
„Hm!“, brummte der Großvater, dessen gute Laune immer grauer wurde. „Herbst ist also grau.“
„Und orange“, beharrte das Kind.
Der Großvater sah sich um. Er schaute lange, doch er konnte die Farbe Orange an diesem nebeltrüben Herbstmorgen nirgendwo entdecken.
„Wo hat er sich denn versteckt, dein orangefarbener Herbst?“, fragte er.
„Na hier! Komm mit!“ Das Kind fasste den Großvater an der Hand und zog ihn über die Straße zu den Ständen auf dem Marktplatz. „Hier ist er, der orangefarbene Herbst. Und davon will ich ganz viele haben.“
„Wovon?“ Der Großvater begriff erst nicht. Dann erblickte er sie.
Kürbisse. Ein Meer unzähliger Kürbisse wartete auf dem Marktplatz auf Käufer. Es waren so viele, dass sie diesen nebelgrauen Tag mit ihrem orangefarbenen Leuchten verzauberten. Orange und grau.
„Du Schlaumeier!“ Der Großvater lachte.
Er lachte noch, als sie später vier riesig große Kürbisse, unter jedem Arm einen, nach Hause trugen und daraus vier prächtige Kürbisgesichter schnitzten.

© Elke Bräunling

Herbst ist orange 😉 … Kürbisfarbenpracht

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

02. Oktober 2013 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Gutenachtgeschichten, Herbstgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | 17 Kommentare

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