Von Igeln, Winterschlaf und Hungerkünstlern

Eine Herbstwaldgeschichte mit Tom und Jens, mit bunten Herbstblättern und spitzen Igelstacheln, mit Hunger und dicken Bäuchen …

Hohe Blätterberge türmten sich am Rande des Spielplatzes.
„Da kann man toll spielen.“ Mit beiden Händen griff Tom in die bunten Herbstblätter und warf sie in die Luft.
Hui! Was für ein Spaß! „Es schneit Blätter“, rief er und griff nach der nächsten Ladung. Doch da war etwas Spitzes im Laubberg. Es tat weh.
„Aua! Eine Biene hat mich gestochen.“
Im gleichen Moment raschelte es im Laub und Jens deutete aufgeregt auf eine kleine, runde, stachelige Kugel am Boden.
„Ein Igel“, rief er. „Du hast einen Igel angefasst.“
„Einen Igel?“ Tom vergaß seinen schmerzenden Finger. „Noch nie habe ich einen Igel in echt gesehen. Psst! Lass uns leise sein!“
Stumm beugten sich die Freunde über die Stachelkugel und warteten.

Endlich lugte ein kleiner Kopf mit spitzer Schnauze und ängstlich flackernden Augen zwischen den Stacheln hervor.
„Toll!“, schwärmte Tom und vergaß vor Aufregung, leise zu sein. Zu spät. Schon hatte sich der kleine Stachelkerl unter den Blättern verkrochen und verschwand mit einem leisen Rascheln. Schade.
„Warum haben Igel so spitze Stacheln?“, fragte Tom.
„Das ist gut bei Gefahr“, meinte Jens. „Da nämlich rollen sich Igel zu Kugeln zusammen und verstecken Kopf und Füße darin. Das ist ein guter Schutz – und die Stacheln schrecken ihre Feinde ab.“
„Ich bin doch kein Igelfeind“, maulte Tom, doch eigentlich fand er das mit dem Zusammenrollen eine gute Sache.
„Vielleicht hat er geschlafen und ist erschrocken“, überlegte Jens. „Igel schlafen am Tag, weil sie nachts auf Futtersuche sind.
„Und bald halten sie Winterschlaf. Vielleicht habe ich ihn dabei gestört?“, überlegte Tom.
Jens schüttelte den Kopf. „Es ist noch zu früh für Winterschlaf und die Igel finden noch genug zu futtern.“
„Ein Glück!“, meinte Tom, der immer Hunger hat und es sich nicht vorstellen kann, ein paar Tage nichts zu essen. „Verhungert unser Igel im Winter?“
Jens schüttelte den Kopf. „Igel fressen sich im Sommer und Herbst genug Fett an, um den Winter zu überleben. Hat mir Papa erklärt.“
„Also ich würde sterben vor Hunger“, meinte Tom.
Jens grinste und zwickte in die kleine Speckrolle an Toms Hüfte. „Eigentlich könntest du auch Winterschlaf halten. Wenn du dann im Frühjahr wieder aufwachst, wärst du schlank wie eine Tanne.“
Tom spürte, wie er wütend wurde, doch dann grinste er auch. „Dann wäre ich aber hungrig wie ein … Nilpferd. Oder wie jetzt. Wir müssen uns beeilen. Es ist bald Essenszeit.“

© Elke Bräunling

Die kurze Fassung dieser Geschichte findest du hier: Hungrig wie ein Igel

Aus dem Buch: Omas Herbstgeschichten


Taschenbuch:Omas Herbstgeschichten: Geschichten und Märchen zum Herbst für Kinder
Ebook mobi:Omas Herbstgeschichten: Geschichten und Märchen zum Herbst
Information


Hier findest du Geschichten, Märchen und Gedichte über Igel im Herbst und im Winter:

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Der kleine Igel und der große Hunger
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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

10. Oktober 2013 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Freundschaftsgeschichten, Herbstgeschichten, Naturgeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 17 Kommentare