Der kleine Bär und das Geisterlicht

Nebelig wird es auf einmal im Wald und der kleine Bär ist froh, als er das „Geisterlicht“, das eigentlich sein alter Freund, der Kürbis ist, entdeckt

Vor lauter Spielen hatte der kleine Bär an diesem Nebeltag vergessen, rechtzeitig nach Hause zu gehen. Nun stand er am Waldrand und schaute sich um.
„Zu dumm“, brummelte er. „Überall hängen Wolken zwischen den Bäumen. Man könnte sich glatt verirren.“
Auf einmal sah er ein Licht blinken. Ganz schwach konnte der kleine Bär es sehen. Es flackerte leise durch die Nebelwelt, versteckte sich mal zwischen Wolken, dann blinkte es ihm lockend wieder zu.
„Oh, ein Lichtpünktchen“, freute sich der kleine Bär und tastete sich auf das Licht zu. „Licht ist gut. Es wird mir helfen, den Heimweg zu finden.“
Das seltsame Licht wurde größer und heller und dann …
Der kleine Bär erschrak. Ein grausig grinsendes Fratzenlicht nämlich war es, das ihm aus einem grausigen Fratzengesicht entgegen leuchtete.
„Wäh!“, heulte der kleine Bär auf.
„Wäh!“, heulte da das Fratzenlichtgesicht. „Hilft mir denn keiner?“
„D-d-du brauchst Hilfe?“, stammelte der kleine Bär. „W-w-wer bist du?“
„Erkennst du mich nicht?“ Jetzt weinte das fremde Ding fast. „Fast jeden Tag bist du an mir vorbei gegangen. Ich bin’s. Der Kürbis. Der gelbe vom Feld oben rechts.“
Der kleine Bär staunte. „Warum siehst du so komisch aus und warum bist du nicht mehr in deinem Feld?“
„Weil mich die Leute vom Waldhaus geerntet haben und weil ihre Kinder aus mir ein hässliches Fratzengesicht geschnitzt haben. Darum stehe ich nun auf dieser Mauer vorm Waldhaus.“ Der Kürbis stöhnte. „Und Kerzen haben sie in meinen hohlen Bauch gestellt. Ist das nicht gemein?“
Der kleine Bär, der sich nun nicht mehr fürchtete, nickte.
„Arg gemein sogar ist das“, brummte er und tappte zu der Kürbisfratze hinüber.
„Dann hilf mir, kleiner Bär!“, bat der Kürbis. „Nimm mich mit! Ich möchte dein Freund sein. Es macht nämlich keinen Spaß, auf einer Mauer zu hocken und mit einem dämlichen Grinsen Leute zu erschrecken.“
„Klar helfe ich dir“, sagte der kleine Bär. Er nahm den Kürbis in den Arm und tappte den Weg, der links vom Waldhaus zur Bärenhöhle führte, bergan.
„Danke“, sagte der Kürbis. „Das werde ich dir nie vergessen. Und nun halte meinen Fratzenkopf wie eine Laterne. Dann finden wir mit meinem Licht den Weg durch die Nebelwelt.“
„Danke“, freute sich der kleine Bär. „Du bist ein wirklicher Freund.“
Und zufrieden tappte er mit seinem neuen Freund, dem Kürbis, nach Hause.

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

14. Oktober 2013 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Freundschaftsgeschichten, Gutenachtgeschichten, Herbstgeschichten, Mutgeschichten, Naturgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | 16 Kommentare

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