Das kleine schwarze Kätzchen

Irgendwie fremd fühlt sich das kleine schwarze Kätzchen unter seinen weißen Katzengeschwistern. Und es fühlt sich ungeliebt und macht sich deshalb ganz klein. Dann aber geschieht ein kleines Wunder

Salome, die vornehme Katzendame hat Junge bekommen: vier weiße Katzenbabys, ein hellgrau-gestreiftes und ein pechschwarzes.
Salome ist stolz auf ihre Kinder, wenn sie es auch nicht begreifen kann, wie sie zu diesem kleinen schwarzen Sonderling kommt. Seltsam, denkt sie. Mein Gatte ist hellgrau, ich bin weiß – wieso ist dieses Katzenkind so pechschmutzigschwarz?
So recht kann sich Salome mit diesem Katerkind nicht anfreunden, und beim Füttern sorgt sie immer dafür, dass zuerst die anderen Kätzchen satt werden. Klar, auch die Katzenbabys sind bald nach ihrer Geburt nicht mehr blind. ”Du gehörst nicht zu uns”, sagen sie zu dem schwarzen Katerchen, und keines mag mit dem Außenseiter spielen oder schmusen oder raufen.
Das schwarze Katerkind versteht das alles nicht, aber um nicht aufzufallen, duckt es sich und macht sich klitzeklein. Vielleicht sehen sie mich und meine hässliche schwarze Farbe dann nicht, denkt es. Mich mag ja sowieso keiner leiden. Sehr traurig ist das kleine Katerkind.
Eines Tages kommen Leute. Papa, Mama und ein kleines Mädchen. Sie möchten sich ein Kätzchen aussuchen, das sie mit nach Hause nehmen und lieb haben können.
Mich hat bestimmt niemand lieb, denkt das schwarze Katerchen, das in seinem kurzen Leben noch nicht erfahren hat, was Liebhaben bedeutet. Noch tiefer duckt es sich in der hinteren Korbecke, damit die Fremden seinetwegen nicht erschreckten.
Drei Augenpaare schauen nun in den Katzenkorb.
”Oh, sind die süß!”, ruft das Mädchen und streichelt die weißen Katzenbabys. Doch was ist das? Plötzlich spürt das schwarze Katerchen auch ein Kribbeln auf seinem Fell. Hm! Wie schön dieses Streicheln doch ist! Das Katerchen schnurrt behaglich und vergisst, sich zu ducken und zu verstecken.
”Das will ich haben!”, ruft das Mädchen, und ehe sich das schwarze Katerkind versieht, sitzt es in den warmen Armen des Mädchens. ”Schon immer habe ich mir ein schwarzes Kätzchen gewünscht. Die schwarzen sind nämlich die schönsten.” Es drückt ein Küsschen auf des Katers Köpfchen und sagt: ”Ich werde dich Momo nennen. Dieser Name passt gut zu dir!”
Momo? Ja, das ist ein schöner Name. Das Katerchen freut sich.
Momo?, wundert sich Katzenmama Salome. Mir scheint, als wäre mir mit diesem Momokind etwas ganz Besonderes gelungen. Wo es den Menschen doch so sehr gefällt!? Stolz schaut sie ihr Söhnchen an. Auch die Katzengeschwister starren ihrem Brüderchen hinterher, und ehrlich, sie blicken ganz schön dämlich drein. Und auch ein wenig beleidigt. Weiß ist doch viel schöner als schwarz, denken sie. Oder doch nicht?

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

24. Oktober 2013 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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