Fluppi, das schlaue Eichhörnchen, sucht ein Winterquartier

Vor lauter Spielen und Spaß haben, hat Fluppi, das kleine Eichhörnchen, doch tatsächlich vergessen, an den Winter mit seinen kalten und nassen Tagen zu denken. Keine Wintervorräte, kein Schlafquartier. Was tun?

Jeder Stadtparkbesucher kannte Fluppi, das Eichhörnchen mit dem buschigen, roten Schwanz, den lebhaften Augen und den frechen Bettelpfötchen. Betteln nämlich war Fluppis Lieblingsbeschäftigung. Eigentlich tat er nichts anders als sich von den Parkbesuchern etwas Essbares zu ergaunern. Fluppi hatte Erfolg damit, denn er bekam viele Leckerbissen von den Leuten zugesteckt. War er dann immer noch nicht satt, führte er ihnen die waghalsigsten Baumkunststücke vor. Toll sah das aus.
Fluppis Eichhörnchenkollegen waren fast ein bisschen neidisch. So flink und gelenkig war nämlich keiner von ihnen.
”Mutig müsst ihr sein!“, prahlte Fluppi. „Und trainieren müsst ihr.”
Die Eichhörnchen aber schüttelten die Köpfe. ”Keine Zeit”, sagten sie. ”Wir müssen Vorräte sammeln. Die Beeren und Buckeckern sind reif, bald folgen Nüsse, Kastanien und Pilze. Es ist Herbst, und der Winter kann schnell kommen.”
”Na und?”, fragte Fluppi. ”Ich bin nicht hungrig.”
Die Nebel- und Sturmtage zogen ins Land. Nur noch wenige Leute besuchten den Park. Fluppis Bettelblicke und Kunststückchen sahen sie nicht. Auch die anderen Eichhörnchen waren nur noch selten unterwegs. Sie hatten sich in ihren Baumhöhlen, Astlöchern und Nestern verkrochen und schliefen.
Fluppi wunderte sich. ”Was ist los? Mag mich keiner mehr besuchen? Und wer gibt mir etwas zu essen? Ich bin hungrig!”
”Das kommt davon, dass du dich auf die Menschen verlassen hast”, sagte eines seiner Kollegen. ”Wir haben dich gewarnt. Nun suche dir schnell ein Quartier, bevor es noch kälter wird.”
”Wo soll ich jetzt noch ein Plätzchen mit Vorräten finden?”, maulte Fluppi und machte sich mit viel Wut im leeren Hungerbauch auf die Suche.
Am Parkrand entdeckte er die Villa der alten Frau von Stetten. Sie hatte ihn im Sommer oft besucht und gefüttert.
Ob ich es dort mal versuchen soll? überlegte Fluppi. Er sprang in den Garten der Villa und tobte lockend durch das kahle Geäst der Bäume.
”Hallo, du kleiner Clown”, rief ihm die alte Dame zu. ”Müsstest du nicht in deinem Winterquartier sein?”
Fluppi warf ihr zur Antwort einen flehenden Bettelblick zu.
”Aha! Ich verstehe”, sagte Frau von Stetten. ”Du hast vergessen, an den Winter zu denken?” Sie lächelte. ”Nun, aus Schaden wird man klug. Ich helfe dir, so wie du mir im Sommer mit deinen Späßen geholfen hast. Dafür danke ich dir sehr.”
Sie öffnete die Garage und legte eine warme Decke, Nüsse und andere Leckereien in ein altes Auto. ”Hier kannst du bleiben. Ich werde dich ab und zu auch besuchen. Aber nur für dieses Jahr, klar?”
Klar. Fluppi sah die alte Dame mit treuherzigem Blick an. Was für eine prima Winteridee! Und bis zum nächsten Winter blieb noch viel Zeit …

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

13. November 2013 von Elke
Kategorien: Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Herbstgeschichten, Tiergeschichten, Weihnachtsgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | 1 Kommentar

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