Der kleine Rabe und der Vampir

Eines düsteren Nebelmorgens hatte der kleine Rabe eine seltsame Begegnung mit eine seltsamen schwarzen Vogel. Eine Riesenfledermaus? Oder was ist das sonst für ein Kerl?

”Nanu”, dachte der kleine Rabe eines düsteren Nebelmorgens. ”Was ist das denn für ein seltsamer Vogel?” Er starrte auf das dunkle Ding, das über dem Friedhof in der Luft schwebte. ”Sieht aus wie eine riesige Fledermaus. Seltsam.”
Und weil der kleine Rabe sehr neugierig war, machte er sich auf den Weg zum Friedhof. Diesen seltsamen Fledermausvogel wollte er sich doch einmal aus der Nähe ansehen.
Komisch, dachte er, als er über den kahlen Friedhofsbäumen kreiste. Ich verstehe nicht, warum sich die Menschen vor Friedhöfen grausen. So friedlich ist es hier!
Suchend flog er von Baum zu Baum.
”Wo ist dieser seltsame Fledermausvogel bloß?”, krächzte er etwas unwillig. ”Spielt er mit mir Verstecken? Blöder Kerl!”
Halt! War da nicht ein Rascheln? Dort bei dem großen Grabstein? Ja, da saß er ja, dieser Fremdling, und machte sich hektisch an der Grabplatte zu schaffen. Was der hier nur suchte?
Der kleine Rabe ließ sich auf dem Grabstein nieder und fragte: ”Was tust du hier? Und was bist du für ein Vogel?”
Der schwarze Kerl, der wirklich wie eine Riesenfledermaus aussah, sah erschrocken auf. Er zitterte, als ob er sich fürchtete.
”I-i-ich gehe schlafen”, stammelte er. ”Und ein Vogel bin ich nicht. Ich bin ein Vampiiiir, und alle haben Angst vor miiiiir!”
Jetzt grinste er den kleinen Raben mit zwei langen spitzen Zähnen an.
Komisch sah das aus. Der kleine Rabe musste lachen.
”Hähä! Wovor soll ich mich denn fürchten?”, fragte er keck.
”Vor miiir, dem Vampiiir”, grunzte dieser Fremde, der sich Vampir nannte.
”Interessant”, sagte der kleine Rabe höflich. ”Doch warum zitterst du so? Fürchtest du dich etwa vor mir?”
Der Vampir war nun sehr unruhig und fahrig.
”R-reden wir heute Abend weiter”, stammelte er. ”I-i-ich muss jetzt g-g-ganz schnell in meine Schlafkammer. Der Tag ist nah, gleich ist die Sonne da.”
”Du fürchtest die Sonne?”, fragte der kleine Rabe erstaunt. „Die ist doch wunderschön hell und warm. Hoho! Was bist du doch für ein komischer Vogel!”
”Ich bin kein Vogel”, sagte der Vampir lahm, doch der kleine Rabe hatte sich schon in die Lüfte geschwungen und rief neckend:
”Fang mich doch, du kriegst mich nicht. Hohohoho!”
Der seltsame schwarze Kerl, der sich Vampir nannte, war aber bereits auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
”Wovor man sich heutzutage alles fürchten kann”, wunderte sich der kleine Rabe. Er schüttelte den Kopf und machte sich auf die Suche nach einem neuen Abenteuer.

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

14. November 2013 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Geschichten über Gefühle, Herbstgeschichten, Tiergeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | 5 Kommentare

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