Achtung! Der kleine Quälgeist ist unterwegs

Unheimliches trägt sich gerade im finsternebligen Herbstwald zu … oder ist es nur ein kleiner Quälgeist namens Fabian, der im Garten … Aber nein, von seinen Erlebnissen lest besser selbst!

„Ich bin ein Geist! Huh! Und ich werde euch gewaltigmächtig erschrecken. Huh!“, rief der kleine Quälgeist.
„Hah Krabah Haha!“, krächzten die Riesenmonsterraben, die sonst eigentlich nur die Amseln waren und im Frühling hier ihre Nester bauten, in den Bäumen und es klang wie ein spöttisches Lachen. „Ein Geist! Krabah! Haha!“
Mit schnellen Flügelschlägen schwangen sie sich in die Luft und flogen davon. Unheimlich sahen sie aus im fahlen Nebellicht. Wie kleine schwarze Vampire.
Der kleine Quälgeist zuckte kurz zusammen, dann stapfte er weiter durch den Wald.
„Phh!“, machte er und seine Stimme klang sehr bedrohlich. „Ihr werdet euch alle noch sehr vor mir fürchten!“ Er sah sich um, brüllte etwas lauter. „Ich bin sogar ein sehr böser gefährlicher Geist!“, rief er in die Nebelwelt hinein. „Hört ihr?“
Heftig ruderte er mit den Armen, hob die Fäuste drohend zu den Kronen der Bäume hinauf und verzog das Gesicht zu einer gruselgrausigen Grimasse.
„Huh! Huahhhh!“
„Jaja, haha, jaja-a-a-a“, sirrten die letzten Blätter in den Ästen, die vor Lachen wie vom Wind angestoßen leise ächzten. „Wir hö-hö-ören dich.“
Einige von ihnen trudelten zu Boden und versteckten sich ängstlich im Gras.
„Sie fürchten sich!“, freute sich der kleine Quälgeist. „Vor lauter Angst können sie sich nicht mehr an den Zweigen halten. Toll.“ Er war zufrieden.
Wen konnte er jetzt noch erschrecken? Suchend sah er sich um.
Da! Dort am steilen Abhang lag es, das grau-weiße Urweltmonster. Bedrohlich funkelten ihm dessen gelbe Augen entgegen. Gleich würden sie zwei Feuerstrahlen gegen ihn abschießen.
Der kleine Quälgeist wappnete sich gegen diesen gefährlichen Feind, den man nur durch eine List besiegen konnte.
„Schhhhhhh…“, machte er. „Schhhhhh, schhhh … wau wau wau. Ich bin ein Hund! Wau wau wauuuuuuuu!“
Das Urweltmonster sprang auf. Es stellte die monsterlangen Haare, machte einen Buckel, fauchte – und wusch – verschwand es im Dschungeldickicht.
„Hoho! Wir Geister sind schlau. Hoho!“ Stolz klopfte sich der kleine Quälgeist auf die Brust. Er hatte erneut einen Feind besiegt und gezeigt, was für ein gewaltigmächtiger Geist er doch war. Hoho!
Wieder sah er sich nach einem Gegner um. Der Nebel war dichter geworden. Er machte den Tag immer dunkler. Oder war es schon die finstere Geisternacht, die das Licht so erschreckte, dass es wie alle andere Feiglinge auch die Flucht ergriff?
„So ist es“, murmelte der kleine Quälgeist. Laut rief er in den Wald hinein. „Diese Nacht werdet ihr niemals vergessen! Hört ihr?“
„Und du wirst diesen Tag niemals vergessen, wenn du nicht sofort zum Essen kommst! Hörst du?“ Eine helle, aber sehr laute Stimme drang durch die Nebelwelt zu ihm herüber.
Die Nebelhexe! Der kleine Quälgeist seufzte. Dann aber erhellte sich sein Gesicht. Essen? Auch keine schlechte Sache. Geisterbäuche können vor Hunger nämlich gruselgewaltig knurren.
Der kleine Quälgeist kämpfte sich durch das Dickicht des Urwaldes, der nichts anderes als der Garten der Familie Becker war.
„Wo steckst du denn nur wieder?“ Die Stimme der Nebelhexe klang ungeduldig.
„Ich komme. Huahh!“ Der kleine Quälgeist beeilte sich. Er war hungrig. Eilig schritt er auf das Tor des Monsterschlosses zu, das von der großmächtigen Nebelhexe, die eine der besten Zauberhexen war, bewacht wurde.
Die blickte ihm lächelnd entgegen. „Na, du kleine Nervensäge! Wen hast du heute wieder geärgert“, fragte sie und lachte leise.
Der kleine Quälgeist, der eigentlich Fabian Becker hieß, lachte auch und ging an der Nebelhexe vorbei ins Haus, wo es gewaltigmächtig gut nach Spaghettisoße duftete.
‚Das beste Geistermahl auf der Welt‘, dachte er. ‚Und morgen‘, überlegte er weiter, ‚werde ich ausnahmsweise kein Quälgeist sein. Nein, als Nervensäge werde ich die Feinde besiegen, denn vor der fürchten sie sich bestimmt noch viel mehr.‘

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

17. November 2013 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Familiengeschichten, Herbstgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | 4 Kommentare

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