Der Adventskalenderbär

Würdest du nicht auch staunen, wenn dein Adventskalender plötzlich mit dir spräche? Lies oder höre hier, was Pit neulich mit seinem Adventskalender, der wie ein Bär aussieht, erlebt hat

Pit ist enttäuscht. Sein Adventskalender gefällt ihm nicht. Es ist nämlich kein richtiger Adventskalender mit Silberflimmer über Schneebäumen und einem Weihnachtsmann mit Schlitten. Nein, ein Bär ist es. Ein lachender Bär aus Pappe mit einem dicken, runden Bauch, einer roten Mütze und einem Tannenzweig im Arm.
„Was hat ein Bär mit Weihnachten zu tun?“ Pit rüttelt an der Pappe. Es klappert im Bauch des Bären. „Wenigstens ist Schokolade drin!“
Und weil Pit gerade Lust auf süß hat, öffnet er gleich das erste Türchen. Ein Gummibärchen ist drin. Hm! Schmeckt fein. Gummibärchen mag Pit für sein Leben gerne. Ob hinter dem zweiten Türchen auch eines versteckt ist? Vorsichtig drückt er das Türchen auf. Wieder eines. Pit kann nicht widerstehen, und, schwups, hat er es aufgegessen. Er öffnet das dritte Türchen, das vierte, das fünfte, das sechste…! Gummibärchen! Lauter honiggelbe Gummibärchen sind im Bauch des Bären versteckt. Ohne zu überlegen futtert Pit ein Türchen nach dem anderen leer.
„Du bist gar nicht so übel, du Bär!“, grinst er, als er das letzte Türchen leer gefuttert hat.
Aber was ist das?
Der Bär grinst zurück! Pit sieht es genau.
Und noch etwas sieht er. Einen Adventskalender mit vierundzwanzig leeren Türchen! Au weia! Pit fängt an zu heulen.
„Jetzt habe ich keinen Adventskalender mehr! Was bin ich blöd, blöd, blöd…!“ Und mit jedem´blöd´muss Pit noch mehr weinen. Er ist traurig, und übel ist ihm auch. Von den Gummibärchen und überhaupt…!
Auf einmal hört er zwischen zwei Schluchzern ein tiefes Brummen. „Hör auf zu weinen!“, brummt es. „Kindertränen tun weh, brumbräh, so weh, so weh, brumbräh…!“
Vorsichtig linst Pit zu dem Bären hin. „Ha-ha-hast du eben gesprochen?“, stammelt er.
„Wer sonst?“, brummt der Bär. ”Und nun sei so gut und mach die Türen in meinem Bauch wieder zu. Es zieht nämlich!“
Pit kann es nicht fassen. „Wieso kannst du sprechen?“
„Im Advent ist vieles möglich!“, antwortet der Bär. „Hast du das nicht gewusst!“
„Und du bist mir nicht böse?“, fragt Pit kleinlaut.
„Böse?“, lacht der Bär. „Wegen der Gummibärchen? Nein, nein. Du glaubst gar nicht, wie froh ich bin, dass du die alle aufgegessen hast. Ich hatte nämlich die ganze Zeit so ein dummes Gefühl im Bauch. Jetzt geht es mir besser. Danke!“
Da muss Pit auch lachen. Jetzt liegen die Gummibärchen in meinem Bauch. Du hast recht. Sie fühlen sich ganz schön schwer an.““Dein Problem!“, grinst der Bär.Da fällt Pit wieder die Sache mit den vierundzwanzig Türen ein. Er seufzt. „Nun habe ich keinen Adventskalender mehr!“
„Wieso?“, fragt der Bär. „Du hast mich! Wir können uns jeden Tag eine Weile unterhalten. Ist doch auch ganz nett, oder?“
„Und wie!“ Pit freut sich. „Das ist sogar viel netter als tausend Gummibärchen und mehr. Wer hat schon einen Adventsbären, mit dem er sich jeden Tag für eine Weile unterhalten kann?“
Und während Pit vorsichtig die vierundzwanzig Türchen wieder zudrückt, zwinkern sich die beiden zu, Pit und der Adventsbär aus Pappe.

© Elke Bräunling

Eine kurze Fassung dieser Geschichte findest du hier: Der sprechende Adventskalender

 


Der Adventskalenderbär – Wunderschön erzählt von dem von uns sehr verehrten Aart Veder vom Theater Darmstadt. Danke, Aart! Ich liebe deinen/unseren Adventskalenderbären 🙂

 

Aus dem Buch:
Opas Adventskalender – 31 Adventskalendergeschichten

Taschenbuch: Opas Adventskalender: 31 Adventskalendergeschichten *
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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

26. November 2013 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Spaßgeschichten, Traumgeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Pingback: Der sprechende Adventskalender | Winterzeit

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