Der Weihnachtsmann und der Wunschzettelberg

Zu viele Wünsche auf vielen Wunschzetteln treffen beim Weihnachtsmann ein. Er würde sie den Kindern ja gerne alle erfüllen, doch es gibt Wünsche, die sich nicht in bunte Päckchen verpacken lassen

Der Weihnachtsmann seufzte tief. Hoch war der Wunschzettelberg, der vor ihm auf dem Tisch lag. Nein, nicht nur auf dem Tisch. Überall in der Stube stapelten sich Briefe: auf dem Fensterbrett, auf Stühlen, auf der Ofenbank, auf dem Schrank, ja, selbst auf dem Boden lagen welche. In allen Ecken nur Briefberge.
Viele hatte der Weihnachtsmann schon gelesen, aussortiert und an seine Wichtel zum Päckchen packen weiter gegeben. Doch viele hatte er auch behalten, denn es waren Briefe mit Wünschen, die er nicht erfüllen konnte. Unschlüssig griff er mal zu diesem, mal zu jenem Brief, las ihn, legte ihn wieder zur Seite, suchte weiter.
„Was soll ich nur tun?“, murmelte er.
„Beeilen sollst du dich!“, rief einer seiner Gehilfen. „Du solltest längst mit dem Lesen fertig sein. Weihnachten ist bald.“
Der Weihnachtsmann schüttelte müde den Kopf. „Wie soll ich das schaffen? Hier sind noch so viele Briefe. Aus der ganzen Welt kommen sie, und es sind nicht nur Wunschbriefe. Kinder malen mir Bilder, ja, und sie erzählen ihre Erlebnisse und Träume, von Freude und Kummer. Es sind lustige, aber auch traurige Briefe. Ach, und wie viele traurige Briefe es sind, und ich weiß nicht, wie ich helfen kann.
Hier zum Beispiel schreibt die kleine Kyra:
„Lieber Weihnachtsmann, hilf, dass meine Mama wieder zurückkommt und sich nicht von uns scheiden lässt. Sonst wünsche ich mir nichts. Deine Kyra…
Oder da, hör nur, Michael schreibt:
„Lieber Weihnachtsmann, ich schreibe dir einen Wunschzettel, aber Mama sagt, dass du dieses Jahr nicht zu mir kommen kannst, weil Papa arbeitslos geworden ist. Stimmt das? Du kommst doch trotzdem, oder? Ich habe keine Wünsche, aber bitte bring Arbeit für meinen Papa mit.“
Der Weihnachtsmann seufzte wieder ganz tief.
„Viele solche Briefe kann ich dir vorlesen. Alles Wünsche, die man nicht hübsch in Glanzpapier verpacken und vor die Haustür legen kann. Was kann ich nur tun?“
Da seufzte auch der Weihnachtsmanngehilfe, und am Himmel klang dieses Seufzen fast wie ein leises Donnergrollen.
Es grollte oft in jenen Adventsabenden, doch die Menschen hörten es nicht. Sie werden es auch so lange nicht hören können, bis sie vielleicht ein wenig netter zueinander geworden sind, einander Kummer ersparen und einander helfen. Das nämlich wäre der einzige Wunsch des Weihnachtsmannes, aber wie gesagt, es gibt Wünsche, die man nicht hübsch verpacken kann. Oder doch?

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

21. Dezember 2013 von Elke
Kategorien: Gutenachtgeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , | 1 Kommentar

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