Ein Glück für das Sparschwein

Ein Gespräch im Spielzeugregal, vom Lästern und auch vom Glück haben

Auf Toms Regal standen so viele Spielsachen, dass sich unter ihrer Last die Bretter bogen.
„Wir sind zu viele“, knurrte der Plastikdino.
„Recht hast du“, bestätigte Big-Turtle, der Boss der Überraschungs-Ei-Figuren. „Einige von uns sind hier überflüssig.“
„Jawohl!“, brüllten die Weltraumhelden. „Weg mit all dem altmodischen Kram!“
„Meint ihr uns?“, fragten die Schmusetiere ängstlich.
„Viel Platz braucht ihr schon“, sagte der Dino. „Und du, Kasper, liegst mit deinen Kumpanen schon ewig nutzlos hier herum.“
Kasper und seine Freunde, der Räuber, der Polizist, Gretel und die Großmutter, protestierten: „Wir lassen uns von euch nicht vertreiben!“
Laut ging es zu auf dem Regal und trubelig.
Nur das Sparschwein schwieg. Es war nämlich so voll gefüttert, dass fast keine Münzen mehr in seinen Bauch passten. Schon fingen die Spielsachen an zu stänkern.
„Du, Sparschwein“, sagte der Dino, „wirst uns bald keinen Platz mehr wegnehmen, so voll gefressen wie du bist.“
„Stimmt“, kicherte Big-Turtle, „mit dem Hammer wird Tom kommen und – wumm, bum, patsch – deinen Fettbauch aufschlagen.“
„Und mit dem Geld kauft er sich neue Autos“, riefen die Matchboxautos.
„Oder Dinos“, sagte der Dino.
„Nein, Überraschungs-Eier.“
„Oder …“ Die Spielsachen hatten viele Ideen.
Das arme Sparschwein fühlte sich sehr elend, und jedes Mal, wenn Tom ein Geldstück in seinen Bauch warf, zuckte es ängstlich zusammen. Wann würden die Münzen im Schlitz stecken bleiben?
Eines Tages kam Tom mit einem Korb.
„Heute ist Flohmarkt“, sagte er.
„Jetzt wird die Geldsau geschlachtet“, lästerten die Spielsachen. „Tom braucht Geld, um sich neues Spielzeug zu kaufen.“
Geschlachtet? Ängstlich wartete das Sparschwein auf den Hammerschlag.
Doch was war das?
Tom griff in das Regal, legte ein Spielzeug nach dem anderen in den Korb und murmelte: „Brauche ich nicht mehr. Das auch nicht. Und dieses hier ist auch überflüssig. Und …“
Am Ende blieben nur noch das Sparschwein, der alte Teddy, der Plüschelefant, die Kasperlefiguren und drei Blechautos übrig. Der Plastik-Dino aber lag mit weit aufgerissenen Augen im Korb und blickte recht dämlich drein.
Am Abend kehrte Tom zufrieden vom Flohmarkt zurück. Im Korb lag immer noch der Dino, und er glotzte noch blöder als zuvor.
„Keiner wollte mich kaufen“, nuschelte er kleinlaut. Der großmäulige Kerl verstand die Welt nicht mehr und heulte fast: „Ich soll ein Ladenhüter sein, sagt Tom. Ich, der Superdino.“
„Die letzten werden die ersten sein“, kicherte der Teddy.
„Bei Dinos stimmt das Sprichwort aber nicht“, lachte das Sparschwein so fröhlich wie schon lange nicht mehr. Noch mehr aber freute es sich, als Tom eine Glaskuh mit Münzschlitz aufs Regal stellte.
„Die ist vom Flohmarkt“, erklärte er und warf – klick, klick, klick – sein wohl verdientes Flohmarktgeld in den Bauch der Kuh.
Wie froh war da das Sparschwein! Noch mehr Geldstücke hätte sein Bauch nämlich wirklich nicht mehr vertragen.
© Elke Bräunling


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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin
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5 Responses to Ein Glück für das Sparschwein

  1. Guten Morgen
    Danke,
    Jeanny Friederich-Schmit
    http://www.language.lu

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