Der tapfere Ritter und der wilde Drache

Einmal Prinzessin sein und von einem tapferen Ritter gerettet werden, das ist ein aufregender Traum. Und wenn dann auch noch ein wilder Drache mit im Spiel ist, wird es spannend.

Gina konnte es nicht leiden, wenn alle in der Schule über sie lachten und ‚Gina Glühwürmchen’ zu ihr sagten. Nur weil sie einen roten Kopf bekam, wenn sie vom Lehrer aufgerufen wurde. Richtig Angst machte die Schule Gina manchmal. Als sie deshalb wieder einmal mit Angstgrummelbauch einschlief, schickte ihr die Traumfee einen Traum, und der ging so:

Einmal im Jahr raubte der böse, große, rotköpfige Glühwurm-Drache ein Mädchen. Mit heißer Feuerlachfauchspucke machte sich der Monsterkerl über sein Opfer her. Er lachte, spuckte und fauchte, bis sein armes Opfer vor Hitze auseinanderplatzte. Dann lachte er, der Drache! Laut und dröhnend. „Höhöhööö…!“
Die Leute im Tal fürchteten dieses Lachen und dachten: Wer wird die nächste sein?
Und dieses Mal hatte sich das gemeine Biest Prinzessin Ginara, das einzige Kind des Königs, geschnappt. Was für ein Unglück! Tatenlos sahen die Untertanen zu, wie das Glühwurmmonster die arme Prinzessin fortschleppte. Und nun saß Ginara in der Drachenhöhle und schrie laut:
„Hiiilfe! Warum hilft mir keiner? Hi-hiiilfeee…!“
Weit hallten ihre Rufe und die Leute zogen die Köpfe ein.
Der König stand auf dem Balkon seines Schlosses. „Rettet mein Kind!“, rief er. „Ihr werdet königlich belohnt!“ Er schrie, befahl und bettelte, aber kein Untertan ließ sich blicken.
In diesem Augenblick kam Bernardo, ein Ritter aus dem Norden, des Weges geritten.
„Helft meinem Töchterlein, Fremder!“, rief ihm der verzweifelte König zu. „Es soll Euer Schaden nicht sein.“
Ritter Bernardo, der ein sehr tapferer Ritter war, gab seinem Pferd die Sporen und galoppierte zur Drachenhöhle hinauf.
„Ich komme!“, rief er. „Halte durch! Ich, Ritter Bernardo, der tapfere Held, werde dich retten!“
Der Glühwurmdrache hielt inne. Wer hatte da gerufen? Und wer – zum Teufelsfurz und Hexenschiss – wagte es, ihn zu stören? Unwillig schwenkte er den Kopf hin und her und stieß einen grimmigen Rauchfaucher aus. „Uauaaahh!“
Ritter Bernardo aber ließ sich nicht stoppen. Nein, er bekam einen wutroten Kopf, als er die entführte Prinzessin in den Pranken des Monsters erblickte. Ja, und er verliebte sich sogleich in Ginara. Wütend sprang er vom Pferd, zog sein Schwert und haute mitten in das fauchende Drachenmaul.
Der Glühwurmdrache wunderte sich so sehr, dass er gar nicht auf die Idee kam, sich zu wehren. Verdutzt starrte er diesen Winzling an, der vor ihm auf- und abtänzelte. Ja, und da war es vor lauter Wundern auch schon zu spät. Ritter Bernardo nämlich haute und haute, bis sich der Drache vor Schmerz aufbäumte.
Schnell befreite der tapfere Bernardo die Prinzessin aus den Drachenarmen, sprang aufs Pferd, zog Ginara zu sich herauf, gab dem Pferd die Sporen und jagte talwärts. Fest hielt er Ginara in seinen starken Armen. Und Prinzessin Ginara kuschelte sich eng an den hübschen, tapferen Prinzen. Vergessen war die Angst. Ihre blassen Wangen färbten sich purpurrot. Es war schön, von einem Ritter gerettet zu werden.

Mit einem wohligen Seufzer und ganz ohne Schulangst wachte Gina aus diesem Traum auf. Eigentlich, dachte sie, ist ein roter Kopf gar nicht so schlimm. Ritter Bernardo und Prinzessin Ginara hatte den auch – vor Wut und vor Liebe.

© Elke Bräunling

NEU IM NOVEMBER 2013
Diese Geschichte findet Ihr in dem neuen Buch: Da wird der Mut ganz groß



Taschenbuch:Da wird der Mut ganz groß: Mutgeschichten für Kinder
Ebook:Da wird der Mut ganz groß


Information

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

17. Januar 2014 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Geschichten über Gefühle, Märchen, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Pingback: Drachen am Himmel » Elkes Kindergeschichten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


%d Bloggern gefällt das: