Das ängstliche Gespenst

Gruselig ist so ein Nebeltag. So gruselig, dass sich sogar das ängstliche Gespenst Jammerläppchen tüchtig gruselt

Am Nachmittag eines finsteren und feuchten, nebeligen Wintertagstags wagte sich das ängstliche Gespenst Jammerläppchen wieder einmal zum Spuken aus Burg Donnerstein heraus. Es musste schließlich ab und zu auch seinen Job tun und tüchtig im Wald und unten im Tal spuken. Wenn es sich nur nicht immer so sehr fürchten würde!
Heute, dachte es, ist bestimmt nichts los. Bei diesem scheußlichen Wetter bleiben die Menschen, vor denen es mir sehr graust, zu Hause. Auch die Hexen und Geistern, die mich so gemein als Angsthasengespenst verspotten, haben heute bestimmt keine Lust zum Spuken.
Langsam schwebte Jammerläppchen talwärts. Es fühlte sich sehr mutig dabei. Wer wagte es auch schon, sich an einem so finsteren Tag draußen herumzutreiben?
“Nur einer”, kicherte Jammerläppchen. “Ich nämlich. Das kleine, mutige Gespenst von Burg Donnerstein! Ha, alle werden staunen, wenn sie von meinem Ausflug erfahren. Nie wieder werden sie lachen und ´Jammerläppchen´ zu mir sagen.”
Es näherte sich dem Dorf. Nur schemenhaft konnte es die Häuser erkennen.
Bestimmt, malte es sich aus, werden die Menschen grausig erschrecken, wenn ich an ihren Fensterläden rüttele und heule und stöhne. Was für ein Spaß würde das sein! Huiii! Huhaaa!
“Huhii! Huhaaa!” brüllte es zur Probe.
“Huhiiii! Huhaaaaa! Huhiiiiiii! Huhaaaaaa!”, brüllte es da auf einmal zurück. Wieder und wieder. Erst ganz laut, dann leise und immer leiser. Schrecklich unheimlich klang das.
Jammerläppchen erschrak. Seine Knochen fingen an zu klappern. Wer war da hinter ihm her?
“G-G-Geister?” stammelte Jammerläppchen. “Im Nebel gibt es also auch G-G-Geister? Hiiiilfeeee!“
Vor Grauen wurde es noch blasser als sonst. Seine Beine fühlten sich an wie Pudding.
“Nichts wie weg hier!”
Und während das grausige ‚Huhiiii! Huhaaaaa!’ noch leiser wurde und schließlich im Nichts verhallte, sauste Jammerläppchen wie von hundert und mehr Geistern gejagt wieder zurück in seinen sicheren Bergfried.
Ob es je erfahren wird, dass es vom Echo seiner eigenen Stimme davongelaufen war?

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

18. Januar 2014 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Geschichten über Gefühle, Herbstgeschichten, Mutgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , | 1 Kommentar

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