Indianer auf Kriegspfad

Indianer können überall auf ‚Spurensuche‘ und ‚Lauschpfaden‘ sein … auch in Zimmern ihrer älteren Schwestern

Indianer sind auf Kriegspfad. Vorsichtig schleichen ´Weiser-Bruder-Pit´ und ´Roter-Skalp-Tom´ auf Fährtensuche in ‚Schwester-Squaw-Lisas’ Zimmer. ´Weiser-Bruder-Pit´ hat nämlich etwas von einem Liebesbrief, den Lisa versteckt hält, erfahren. Zielstrebig wühlen sich die beiden Rothäute durchs Zimmer. Nichts. Auch unterm Kopfkissen werden sie nicht fündig.
Lustlos blättert ´Roter-Skalp-Tom´ im Buch auf Lisas Nachttisch und stiert auf den Umschlag. Ein Mädchen, das sich an einen Pferdekopf lehnt, lächelt ihm entgegen. ´Liebesglück für Babsi´ steht über dem Bild.
„Schon wieder so´n Gaulsbuch“, knottert Pit. „Wie dämlich das mit dem ´Liebesglück´ klingt! Aber gerade deshalb muss der Brief hier sein. Beim großen Mannitou! Die hat vielleicht groß damit angegeben!“
„Und was steht drin?“, fragt Tom.
Pit zuckt mit den Achseln. „Weiß nicht. Lisa hat ganz rote Backen gekriegt und genau so dämlich gegrinst wie die da auf dem Buch.“
„Hihi.“ Tom schlägt sich auf die Oberschenkel. „Wie ein Gaul hat Lisa geguckt? Hätte ich gerne gesehen.“
„Blödmann. Ich meine doch diese Babsi mit dem Liebesglück auf dem Bild. Jeder guckt so, wenn er Liebesglück hat.“
„Also ein Indianer“, schwört Tom, „würde nie so doof gucken. Aber von wem ist denn der Brief?“
„Hat sie nicht gesagt.“ Pit klingt verärgert. „Nur blöd gekichert hat sie und ´Süß!´ gerufen. Also ich muss jetzt wissen, was in dem Brief steht.“
Tom kriegt einen Lachkrampf. „Muss ein Voll-Greenhorn sein, der so ´nen Brief schreibt. Ausgerechnet an Lisa!“ Er schüttelt sich. „Also, ich könnte der nichts mit Liebe schreiben. Du?“
„Nö“, feixt Pit. „An Lisa nun gerade nicht. Trotzdem möchte ich wissen, was in dem Brief steht.“
Er rüttelt an der Schreibtischschublade. Abgeschlossen!
„Blöd!“, schimpft er und rüttelt am Schloss.
„Wir müssen den Schlüssel finden“, schlägt Tom vor. Aber wo?
Die beiden Schnüffelindiander suchen und suchen. Nichts. Kein Schlüssel, kein Brief.
„So ´ne Pleite!“, knurrt Pit. Er könnte platzen vor Wut. Und vor Neugierde. „Könnte doch sein, dass der Kerl nichts Gutes mit Lisa vorhat.“
Tom nickt. „Denk ich auch. Vielleicht will dieses Greenhorn sie entführen?“
„Und wir können ihr nicht helfen, weil wir den Brief nicht finden“, heult Pit. „Ich glaube, wir sollten das Schloss aufbrechen!“
„Und ich glaube“, sagt eine Oberhäuptling-Stimme von der Tür. „Ihr solltet schleunigst von hier verschwinden, meine roten Brüder!“
Es ist Papa. Er grinst.
„Indianer beschnüffeln nicht anderer Leute Sachen“, sagt er und die beiden tapferen Rothäute nicken.
„Was sucht ihr eigentlich?“, fragt da der Oberhäuptling.
„Einen Liebesbrief. Er gehört Lisa und ist hellblau“, sagt ´Weiser-Bruder-Pit´.
„Wer weiß, was da für gefährliches Zeugs drinsteht!“, ergänzt ´Roter-Skalp-Tom´.
„Ein Liebesbrief?“ Nachdenklich starrt der Oberhäuptling zur Schreibtischschublade. „Was macht Lisa mit einem Liebesbrief?“
Vorsichtig rüttelt er an der Schublade.
„Bist du jetzt auch auf dem Kriegspfad, Oberhäuptling?“, fragt ´Roter-Skalp-Tom´.
´Weiser-Bruder-Pit´ aber fängt an zu lachen. „Man schnüffelt nicht in anderer Leute Sachen“, feixt er, und ehe der erhabene Oberhäuptling etwas sagen kann, machen sich die beiden Indianerkerle schnell zu einem neuen Abenteuer davon.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

06. Februar 2014 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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