Schneeglöckchen, Weißröckchen?

Einmal geschah es im späten Winter, dass die Schneeglöckchen ein Lied zu wörtlich nahmen. Ein Lied, das einen nicht ganz richtigen Text hatte …

Seit vielen Tagen lachte die Sonne warm vom Winterhimmel, und die Leute freuten sich. Nur Jule war traurig. Es hatte keinen richtigen Winter mit Schnee und Eis gegeben, und die Tage wurden nun auch schon wieder länger. Ihr neuer Schlitten aber stand immer noch im Keller. Das bisschen Schnee, das in diesem Winter manchmal die Erde ein wenig bedeckt hatte, hatte nicht einmal für einen Schneeball gereicht.
„Komm endlich, Schnee!“, rief Jule in den Himmel hinauf. „Ich will Wolken und Schnee!“
Sie begann zu singen: ’Schneeglöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit …’ sang Jule, und die Sonne lachte.
Schneeglöckchen? Weißröckchen? Die Blumenzwiebeln, die Jule im Herbst in der Erde unter der alten Weide vergraben hatte, wurden unruhig. Seit Tagen schon lockten die Sonnenstrahlen die Triebe aus den Zwiebelschalen. Erste Blütenstängel hatten bereits begonnen, sich aufwärts zu richten, um das Licht zu suchen.
’Schneeglöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit …’, erklang es wieder von oben. Schnell bahnten sich erste Schneeglöckchen ihren Weg weiter durch den Boden. Als am nächsten Tag die Sonne wieder vom Himmel strahlte, durchstießen sie mit einem Ruck die Erdoberfläche, wandten ihre Knospen der Sonne zu und öffneten ihre Blüten.
Als Jule nach der Schule in den Garten trat und nach Schneewolken Ausschau hielt, fand sie unter der Weide ein kleines, weißes Schneepolster. Neugierig trat sie näher. Nein, das war ja gar kein Schnee! Jule staunte. Schneeglöckchen mitten im Winter?
„Das kommt davon, wenn man Lieder falsch singt“, lachte Jules Mutter. „Nun musst du dich um deine Schneeglöckchen gut kümmern. Wenn die Wetterfrösche Recht behalten, wird es nämlich bald Schnee geben.“
„Schnee? Juchhu!“ Jule klatschte vor Freude in die Hände. „Dann kann ich ja doch noch meinen Schlitten aus dem Keller holen.“ Sie streichelte sanft über die weißen Röckchen der Schneeglöckchen. „Und ein wenig Stroh hole ich auch. Damit ihr nicht friert.“
Als sich später die Sonne hinter gelbgrauen Wolken versteckte, bedeckte Jule die Schneeglöckchen sorgfältig mit den weichen Strohhalmen.
„Schlaft gut“, flüsterte sie den Blüten zu. „Ihr werdet es kuschelwarm haben, wenn der Schnee kommt und sich über euer Strohbett legt. Auf bald.“
Und während sie ins Haus ging, sang Jule voller Vorfreude: ‚Schneeflöckchen, Weißröckchen, bald kommt ihr geschneit …’

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

11. Februar 2014 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Gutenachtgeschichten, Naturgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | 5 Kommentare

Kommentare (5)

  1. Dake,
    Jeanny Friederich-Schmit

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