Das Märchen von Traumkind und Zauberkind

Wie die Träume zu den Kindern kommen…

Vor langer, langer Zeit soll dort, wo das Meer am tiefsten ist, eine geheimnisvolle Insel gelegen haben. Sie trug den Namen Fantasia. Schön ist es auf dieser Insel gewesen. Ihre Bewohner kannten keinen Ärger, keinen Streit, keine Langeweile und keinen Neid. Zum Leben brauchten sie nicht viel. Hauptsache, Kopf und Bauch waren satt und zufrieden. Für den Bauch gab es genug zu essen und für einen zufriedenen Kopf sorgten gute Gedanken, Fantasie, Spaß und Zeit füreinander. Von all dem besaß man im Überfluss und die Inselbewohner waren sehr glücklich.
Leider hatte das Glück keine Dauer. Weit weg irgendwo in dem großen Meer gab es nämlich die Insel Gewaltica. Deren Bewohner hatten nur Reichtum und Macht im Sinn und ihr König hatte das Ziel, alle Inseln zu beherrschen. Deshalb schickte er seine Krieger weit über das Meer, um die Welt zu erobern.
Eines Tages kamen diese Krieger auch nach Fantasia.
Hier hatten sie ein leichtes Spiel, denn die Bewohner wehrten sich nicht. Kämpfen hatten sie nämlich nie gelernt, und so konnten die Krieger des machthungrigen Königs die Insel schnell erobern. Vorbei war es mit dem Glück, den guten Gedanken und Ideen in den Köpfen der Fantasier.
Nur zwei Kinder blieben vor dem Unheil verschont. Sie waren nämlich gerade mit ihrem Freund, dem Glücksraben, unterwegs, als die Kriegsleute Fantasia überfielen.
Der Rabe erkannte die Gefahr. Ratlos kreiste er ein paar Mal über der Insel, dann flog er mit den Kindern hoch und höher in den Himmel hinauf.
Sie trafen Frau Sonne, die sich vom Tag verabschiedete und ihr Abend-Schwätzchen mit Herrn Mond hielt. Beide waren bekümmert, als sie von den Geschehnissen auf Fantasia erfuhren. Sie versprachen dem Glücksraben, sich um die Kinder zu kümmern.
Eines nahm Herr Mond gleich mit auf seine nächtliche Tour. Er gab ihm den Namen Traumkind und trug ihm auf, den Erdenkindern im Traum schöne Geschichten zu schicken.
Das zweite Kind blieb bei Frau Sonne. Es begleitete sie auf ihrem täglichen Weg über den Himmel und schmückte die Gedanken der Kinder mit Ideen zum Spielen, Erzählen, Malen und Basteln. Frau Sonne taufte es Zauberkind, sollte es doch die Phantasie in die Köpfe der Kinder zaubern.
Seither besuchen Traumkind und Zauberkind Tag für Tag und Nacht für Nacht die Kinder auf der Erde. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Der Job macht ihnen riesigen Spaß. Noch mehr freuen sie sich, wenn sie sich morgens und abends für ein kurzes Weilchen begegnen und einander von ihren Erlebnissen erzählen.
Spitzt einmal die Ohren, abends, wenn die Sonne untergeht, und morgens, wenn der Mond der Sonne Platz macht! Bestimmt könnt ihr sie flüstern und kichern hören. Stimmt`s?
© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

16. Februar 2014 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Zu Herzen gehend
    Jeanny

  2. Danke. Es freut mich, dass dir diese Geschichte gefällt. Sie ist schon älter und irgendwie wollte sie keiner so recht gerne lesen, jetzt teste ich es hier nochmals
    Lieber Gruß
    Elke

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