Frühlingsboten auf dem Ponyhof

Frühling? Was ist das? Diese Frage stellt sich Mini, das kleine Pony, das bis jetzt nur den Winter kennt. Dann sieht es ihn am Himmel, den Frühling. Er kann fliegen. Fliegen?

Dieses Jahr hat der Winter lange gedauert. Kalt ist es gewesen und ungemütlich.
Noch immer tief verschneit liegt der Ponyhof inmitten der Wiesen und Felder. Seine Bewohner aber sehnen den Frühling herbei: Maja und Mark mit ihren Eltern und allen Tieren auf dem Hof. Keiner von ihnen mag den Winter noch leiden. Selbst die Bernhardinerhunde Möpschen und Karla, die Schnee über alles lieben, liegen in den letzten Winterwochen am liebsten nur noch vor dem Kachelofen in der Küche und warten auf den Frühling.
Auch die Ponys finden es nicht mehr so lustig, durch die nasse, kalte Winterlandschaft zu traben. Sie sehnen sich nach Sonne und Wärme und nach frischen grünen Frühlingswiesen.
Als die Sonnenstrahlen endlich die letzten Schneereste weggetaut haben, dürfen die Tiere zum ersten Mal wieder auf die Koppeln und Weiden hinaus. Am meisten freuen sich die Ponys darauf, über die Wiesen zu toben. Wie freche Raufbolde spielen sie miteinander, rasen mit den Hunden um die Wette und strecken ihre Köpfe der Sonne entgegen. Das sieht lustig aus. Ein wenig kosten sie auch schon von den kleinen frischen Grasspitzen und den ersten Frühlingsblümchen, die zaghaft ihre Knospen geöffnet haben. Hmm. Wie schmeckt das lecker! Immer nur Heu und Hafer essen ist langweilig, finden sie.
Nur Mini, das junge Fohlen, schaut staunend in diese fremde Welt hinaus.
Ängstlich drückt es sich an die Seite seiner Mutter Millie. Es fürchtet sich vor dem Gras, vor den Blümchen, vor der Sonne, den Vögeln, den hohen Zäunen, den Bäumen. Alles ist der kleinen Mini fremd und neu. Mini ist nämlich im Dezember zur Welt gekommen. Am ersten Weihnachtstag. Alle haben sich sehr gefreut und gesagt, Mini sei ein Weihnachtspony. Mama Millie ist sehr stolz gewesen und sehr stolz führt sie nun ihr Töchterchen auch über die Koppel. Ganz böse guckt sie, wenn die anderen Ponys zu sehr in Minis Nähe toben. Nur Carla und Möspchen dürfen mit Mini schmusen. Die beiden Hunde haben das kleine Weihnachtspony nämlich im Winter oft im Stall besucht und es zärtlich abgeleckt. Seither sagen alle, Mini habe drei Mütter: Millie, Carla und Möpschen.
Das interessiert die schwarz-weiß gefleckten Mini im Augenblick aber nicht. Aufgeregt blickt das kleine Fohlen zu den beiden großen dunklen Vögeln mit den langen roten Beinen hinauf. Die kreisen mit breiten Schwingen über der Koppel. Mini zittert. Wer sind diese seltsamen Fremdlinge, die in der Luft ‚laufen’ können? Noch aufgeregter wird das kleine Ponyfohlen, als nun alle Hofbewohner fröhlich lachend die Neuankömmlinge begrüßen.
„Hurra!“, ruft Mark laut. „Mama, Papa, schaut nur, die Störche sind wieder da!“
Auch Maja freut sich. Sie klatscht in die Hände und tanzt mit den laut bellenden Hunden einen Jubeltanz über den Hof. „Jetzt ist der Frühling wirklich da“, singt sie. „Hurra! Hurra! Hurra!“
Der Frühling ist da? Aha, denkt Mini, das kleine Pony. Diese beiden großen fremden Flugtiere heißen also ‚Frühling‘. Mini ist stolz, so viel an diesem aufregenden Tag gelernt zu haben.
© Elke Bräunling

Eine Kurzfassung dieser Geschichte findest du hier: Das kleine Pony lernt den Frühling kennen

Eine noch kürzere Fassung gibt es als Zweiminutengeschichte in dem Buch:
Elkes Minutengeschichten – Frühling


Taschenbuch:Elkes Minutengeschichten – Frühling: 40 kurze Märchen und Geschichten für Kinder
Ebook:Elkes Minutengeschichten – FRÜHLING
Information

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

17. Februar 2014 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Gutenachtgeschichten, Naturgeschichten, Tiergeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

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