Als der kleine Frühlingsgeist frühlingsmüde war

Mitten in seiner Arbeit, nämlich das Land frühlingsbunt zu bemalen, wird der kleine Frühlingsgeist müde. Auf einem sonnigen Felsen schläft er ein. Hey, Frühlingsgeist! Aufwachen! Weiter malen!

„Ich bin der kleine Frühlingsgeist und ziehe durch die Welt. Ich mal sie bunt mit Farben an, so wie es mir gefällt. Lalalalaaa lalalalaaa La La La La La laaaa …“
Fröhlich singend wanderte der kleine Frühlingsgeist durchs das wintertrübe Tal. Viele bunte Farben auf einer Farbpalette trug er in der linken Hand, in der rechten hielt er einen dicken Pinsel. Den schwang er unternehmungslustig hin und her und betupfte Bäume, Sträucher, Blüten, Kräuter und Gräser mit frühlingsbunten Farben. Schon sah das wintertrübe Tal gar nicht mehr wintertrübe aus, sondern bunt, frisch und fröhlich.
„So gefällt mir das!“, sagte der kleine Frühlingsgeist zufrieden. „Ein rechter Frühlingsfarbengeist bin ich. Juchhu!“
Er setzte sich auf einen Felsen, der den Talweg überragte, und betrachtete sein Werk.
Fleißig war er schon gewesen. Fast ins ganze Tal hatte er den Frühling gebracht.
„Es macht Spaß, ein Frühlingsgeist zu sein. Alle nämlich, die ich treffe, freuen sich. Über mich und meine Arbeit. Alle! Juchhu!“
Der kleine Frühlingsgeist war sehr mit sich zufrieden und er beschloss, sich noch ein wenig auf dem Felsen auszuruhen und die Nase den Sonnenstrahlen entgegen zu strecken. Die Arbeit hatte ihn müde gemacht. Frühlingsmüde.
„Schön! Hmmm…!“ Gemütlich kuschelte er sich in sein Sonnenplätzchen und schloss für einen Moment die Augen. Weil er aber so frühlingsmüde war, schlief er – schwups – ein. Er schlief und schlief und schnarchte auch ein kleines Bisschen. Viele Tage lang.
Und so kam es, dass es im Talende wintertrübe und trist aussah und die Tiere sich noch einmal zu einem Schläfchen verkrochen, während sich überall sonst alle an der frühlingsbunten Welt erfreuten.
Der Winter, der noch immer oben in den Bergen hauste, rieb sich vor Freude über den verschlafenen Frühlingsgeist die Hände.
„Prima!“, sagte er. „Ich mag müde Frühlingsgeister gut leiden. Sie schenken mir Zeit.“ Er strich, übermütig fast, mit einem Eiswindstrahl über den schlafenden, kleinen Frühlingsgeist und freute sich. Vor lauter Freude aber vergaß er, vorsichtig zu sein. Und so war sein Eiswindstrahl ein bisschen zu eiswindig kalt. So kalt und ungemütlich, dass er den kleinen Frühlingsgeist nun doch aus seinem tiefen Schlaf aufweckte.
„Huhh! Was ist das? Warum ist mir so kalt?“ Der kleine Frühlingsgeist setzte sich auf und rieb sich verschlafen die Augen. Dann sah er sich verwundert um. Drehte er den Kopf nach links, so winkte der Frühling ihm zu. Bunt war es dort im Tal und warm und fröhliches Käfersummen und Kinderlachen wärmte sein Herz. Schaute er aber nach rechts zum Ende des Tales, erblickte er … Nein, wenig sah er. Nur ein trauriges, stummes, wintergraues Land.
Wie sehr erschrak er da! Hatte er den Frühling verschlafen?
Der kleine Frühlingsgeist erschrak noch mehr. „Was bin ich dumm!“, rief er. „Nicht ich soll schlafen, nein, der Winter und seine Wintergeistfreunde sind’s, die nun Schlafenszeit haben. Bis zum nächsten Winter sollen sie sich ausruhen, und dafür werde ich auch gleich sorgen.“
Er stand auf, nahm Farben und Pinsel und sauste malend und Farben tupfend bis zum hintersten Eckchen des Tales. Und weil er nun aber auch gar nichts mehr falsch machen wollte, kletterte er gleich auf alle Berge hinauf und vertrieb auch dort den Winter mit seinen bunten Farben und seinem fröhlichen Frühlingslied:
„Ich bin der kleine Frühlingsgeist und ziehe durch die Welt. Ich mal sie bunt mit Farben an, so wie es mir gefällt. Lalalalaaa lalalalaaa La La La La La laaaa …“

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

09. März 2014 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Märchen, Naturgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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