Arne, das faule „Ei“

Von Lesewürmern, Bewegungsmuffeln und Faultieren

„Was bist du doch für ein Faultier!“ Mama rüttelt an Arnes Schulter. „Draußen im Garten toben deine Freunde mit deinem kleinen Bruder herum und was machst DU? DU liegst träge auf dem Bett und liest.“
Sie ist wütend. Arne merkt es daran, dass sie das DU ganz laut sagt.
„Faultier mit zwei Buchstaben ist ein ‚Ai‘!“, sagt Arne. „Das hat mir Onkel Franz beim Kreuzworträtselraten erklärt.“
„Und Faultiere, heißt es, sollen dumme Tiere sein“, bemerkt Mama. „Kein Wunder. Wer nichts Neues erlebt, kann auch nichts Neues lernen.“ Sie nimmt Arnes Buch, klappt es zu und legt es auf den Tisch. „Ab mit dir. Bewegung an der frischen Luft macht fit und regt das Denken an.“
„Bücher lesen auch“, sagt Arne, doch weil Mama so sauer ist, steht er nun doch auf und läuft in den Garten.
„Ich bin ein ‚Ai‘!“, erklärt er dort seinen Freunden.
„Ein Ei?“
„Wieso das?“
„Arne, das Ei!“
„Hoho! Arne ist ein Ei. Ein Osterei vielleicht?“
Die Freunde und Arnes Bruder Ansgar lachen sich halbtot.
Arne schüttelt den Kopf. „Falsch. Ein ‚faules Ai’ bin ich, sagt Mama.“
„Faule Eier stinken“, grölt einer, und dann lachen alle noch mehr.
Arne lacht mit, dann schnappt er sich den Ball und kickt ihn über die Wiese. „Lasst uns eine Runde kicken!“, schlägt er vor und jagt sogleich dem Ball hinterher.
Wenig später rast Ansgar aufgeregt zu Mama. „Mama, komm schnell!“, ruft er mit schriller Stimme.
„Was ist passiert?“ Erschrocken springt Mama auf und eilt in den Garten.
„Da!“ Ansgar deutet zum alten Kirschbaum. Dort standen Arnes Freunde und starrten in die Baumkrone hinauf. „Ein Ei hängt oben im Ast.“
„Ein Ei?“, wundert sich Mama. „Wollt ihr mich foppen?“
Ansgar schüttelt den Kopf. „Nein. Arne zeigt uns bloß, wie diese dummen Eier mit dem Kopf nach unten in den Bäumen hängen“, erklärt er Mama. „Das sind nämlich ganz schön faule Tiere.“
„Du meinst ‚Faultiere‘ und das sind ‚Ais‘ und keine ‚Eier'“, korrigiert Mama. Dann erst begreift sie und ruft voller Entsetzen: „Um Himmels Willen! Arne wird doch nicht …“
So schnell sie kann rennt sie zum Kirschbaum hinüber und starrt in die Krone hinauf.
Dort hängt Arne ziemlich weit oben kopfüber an einem Ast und erzählt seinen Freunden alles, was er über Faultiere in Büchern gelesen hat. „Nur einige der Dreifinger-Faultiere sind Ais, die Zweifinger-Faultiere heißen …“
Er kommt nicht weiter, denn Mamas Rufe übertönen seine Worte. „Arne, pass auf und komm sofort vom Baum herunter. Aber sei vorsichtig und …“
Mama redet und redet und fuchtelt aufgeregt mit den Armen. Sie redet noch, als Arne längst wieder heil und unverletzt vor ihr auf der Wiese steht.
„Aye, aye“, sagt er zu Mama und grinst. „Ich wollte bloß einmal ausprobieren, wie es sich anfühlt, ein Faultier zu sein.“ Er wendet sich ab und geht zum Haus. „Aber es ist mir zu blöd, dumm an einem Ast herumzuhängen. Lesen ist spannender.“
„Aye, aye“, murmelt Mama hinter ihm her. Mehr Worte fallen ihr gerade nicht ein, und ein kleines bisschen stolz ist sie ja auch auf ihren Jungen, der so viel aus Büchern weiß und zudem auch noch prima auf Bäume klettern kann.

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findest du in einer kürzeren Fassung hier: Arne, das Faultier

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

22. März 2014 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Die lese ich später,
    einen schönen Samstag
    jeanny

  2. Ein kleiner Sonntagsgruß zu dir
    Elke

    PS: Wir ziehen gerade um, daher bin ich nicht immer online und kann auch hier nicht immer antworten …
    Noch zwei Wochen!!!

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