Mia und der Angsthase

Mia trifft den Angsthasen – Eine Mutgeschichte für die ersten Tage nach den Ferien – und eigentlich für jeden anderen Tag auch 😉

Eigentlich geht Mia gern zur Schule. Nur vor Herrn Klauser, ihrem Klassenlehrer, hat sie – irgendwie – Angst. Dessen Stimme klingt so laut, dass sich Mia immer duckt, wenn er sie anspricht oder gar zur Tafel ruft.
„Angsthase“, lacht Mias Bruder Max. „Du ist ein Angsthase.“
Das mag Mia gar nicht hören. „Pah! Und du bist ein Angeber.“
„Höhö.“ Max lacht sich halb kaputt. „Mädchen haben immer Angst.“
Mia ist wütend, und immer, wenn sie nicht weiter weiß, setzt sie sich zum Nachdenken auf ihre Schaukel im Garten.
„Nein“, sagt sie. „Mädchen sind keine Angsthasen.“
„Stimmt“, antwortet eine Fistelstimme von oben. „Weiß ich doch.“
Mia erschrickt. Wer spricht da?
In ihrem Bauch grummelt die Angst und Mia will weglaufen. Da knistert es. Eine kleine Gestalt hüpft durchs Geäst und landet auf Mias Schoß. „Hallo, hier bin ich.”
Mia staunt. „Wer bist du?“
Der Fremdling, der wie ein kleiner Hase aussieht, kichert. „Fürchtest du dich nicht vor mir? Ein Geist könnte ich sein, ein Monster oder ein gruselgrausiger Vampir. Eine verzauberte Hexe vielleicht, ein Gespenst, ein schreckliches Ungeheuer? Aber nein! Vor mir fürchtet sich keiner. Wer soll sich auch vor mir fürchten, ängstigen, zittern, gruseln, grausen? Immer geht es mir so. Ach, ich bin nicht zum Fürchten. Dumme Sache, oder? Aber…“
Der kleine Kerl redet und redet. Die Worte kreisen in Mias Kopf.
„Nein“, sagt sie. „Ich fürchte mich nicht vor dir. Wer bist du?“
Der Fremde richtet sich auf und flüstert Mia verschämt ins Ohr: ”Angsthase werde ich genannt!” Dabei blickt der Angsthase Mia so drollig an, dass sie lachen muss.
„DU bist DER Angsthase?”, fragt sie. „Dich gibt es wirklich?“
„Psst!”, flüstert der Angsthase. „Es muss nicht jeder wissen, wer ich bin! Es ist nämlich nicht schön, DER Angsthase zu sein.“
Mia nickt verständnisvoll. „Bestimmt lachen dich alle aus, nicht?“ Der Angsthase nickt. „Man verspottet mich, und als Schimpfwort muss ich auch herhalten. Ist das nicht gemein?“
„Und wie“, sagt Mia und denkt an ihren Bruder. „Zu mir hat Max heute auch ´Angsthase´ gesagt. Ich habe mich mächtig geärgert.“
„Verstehe ich gut“, knurrt der Angsthase. „So geht es mir jeden Tag viele tausend Male und mehr. Immer muss ich herhalten, wenn sich irgendjemand vor irgendetwas fürchtet. Doch sag, warum haben sie dich ´Angsthase´ genannt?“
Da erzählt Mia von der Schule, von Herrn Klausner und von ihrer Angst, an die Tafel zu gehen.
”Mut macht’s gut”, sagt der Angsthase. ”Verstehst du?“
„Hm.” Mia überlegt. „Du meinst, wenn ich mir vorsage, dass ich mutig bin, wird die Angst kleiner?“
Der Angsthase nickt. ”Dieser kleine Zauberspruch hilft.“
Mia atmet auf. „Das ist gut. Mut macht’s gut. Mut macht’s …“
Immer wieder sagt sie den Wunderspruch auf und sie spürt, wie sie die Schule gar nicht mehr ganz so schrecklich findet.
„Danke“, sagt sie zu dem Angsthasen, doch der ist längst verschwunden. Zu seinem nächsten Job oder so.

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findet Ihr in dem neuen Buch: Da wird der Mut ganz groß


Taschenbuch:Da wird der Mut ganz groß: Mutgeschichten für Kinder
Ebook:Da wird der Mut ganz groß

Information

anton-angsthase-sonja-mengk
Es grüßt heute ‚Anton (Angst-)Hase‘, der ängstlichste Hase aller Hasen, gemalt von meiner Kollegin, der Künstlerin Sonja Mengkowski

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

27. April 2014 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Mutgeschichten, Schulgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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