Ein Abenteuer im Bärenwald

Eine Mutmachgeschichte mit dem kleinen Bären, Papa Bär und vorwitzigen Bärengeschwistern

Wieder einmal hat der Oberbär alle Bären zu einem Festmahl in den Bärenwald eingeladen. Dieses Mal möchte der kleine Bär unbedingt mitkommen. Er ist ja so neugierig auf dieses Fest! Seine Geschwister aber lachen ihn aus. „Du bist noch viel zu klein, kleiner Bär!“, rufen sie. „Du kannst nicht mitkommen. Bestimmt fürchtest du dich dort gruselgrausig.“
Das ärgert den kleinen Bären gewaltig.
„Ein Bär hat keine Angst“, ruft er und bettelt so lange, bis Mama Bär „Also gut, du darfst mitkommen!“ sagt.
Da freut sich der kleine Bär wie ein Schneekönig.
„Juchhu!“, jubelt er. „Ich darf mitkommen zum großen Bärenfestmahl. Juchhu!!!“
Die Weg zum Oberbärenfest ist weit, und Papa Bär muss den kleinen Bären huckepack auf dem Rücken tragen. Es dämmert schon, als der Bärenwald, ein großer Wald mit hohen Bäumen und mächtigen Felsen, vor ihnen liegt. So einen Wald hat der kleine Bär noch nie gesehen. Richtig unheimlich ist er. Der kleine Bär grault sich ein bisschen, und in seinem Bauch piekst es.
„Wie dunkel es hier ist!“, flüstert er und klammert sich fest an Papa Bär.
„Das gehört sich auch so für den Bärenwald“, brummt Papa Bär. „Oder fürchtest du dich etwa?“
„N-n-nein“, stottert der kleine Bär. „E-e-ein Bä-hä-här h-h-hat doch keine Angst!“
„Gut!“, sagt Papa Bär. „Mut tut gut!“
Er lacht und stapft mit Riesenschritten voran. Es riecht modrig, und die Bäume stehen oft so dicht, dass kein Licht zum Boden gelangt. Manchmal liegen Felsen im Weg, über die die Bären klettern müssen. Wie das rumpelt! Richtig seekrank fühlt sich der kleine Bär auf Papas Rücken. Und gruselkrank.
Da fallen ihm wieder die Worte von Papa Bär ein.
„Mut tut gut!“, hat er vorhin gesagt.
„Ja“, murmelt der kleine Bär leise. „Mut tut gut.“
Und während Papa Bär weit und weiter durch den finsteren Wald stapft, sagt der kleine Bär in Gedanken immer wieder „Mut tut gut…Mut tut gut…Mut tut gut…!“ vor sich hin.
Und es stimmt. Mut tut wirklich gut. Der kleine Bär spürt, wie die Angst klein und kleiner wird. Wirklich gut, dieser Spruch mit dem Mut!, denkt er.
Da ertönt auf einmal ein wilder Schrei: „Huhuhuuaaa!“
Laut und grausig hallt dieses „Huhuuuhuuaaa!“ durch den Wald, und sein Echo tanzt wie ein Schattengeist zwischen den Baumstämmen hin und her und hin und huhuuuhuuaaa…!
Wie fürchtet sich da der kleine Bär! Am liebsten hätte er „Hilfe!“ und „Ich hab Angst!“ gerufen. Aber haben seine Geschwister nicht über ihn gespottet und gelacht? Nein, das hat der kleine Bär nicht vergessen, und schnell sagt er sich wieder und wieder den Wunderspruch mit dem Mut vor: „Mut tut gut…Mut tut gut…Mut tut gut…!“
„Hi-hi-hilfe!“ hört er es da auf einmal jammern. Es sind seine Geschwister. Sie sind ganz blass vor Angst und verstecken sich hinter einer Baumwurzel.
„Hi-hi-hilfe! Wir fürchten uns so sehr!“
Wie sie heulen! Laut und lauter.
„Huhuhuaa!“ tönt es wieder, und dann steht plötzlich der große Oberbär vor ihnen.
„Huhuhahaha!“, lacht er dröhnend und zieht die Geschwister des kleinen Bären aus ihrem Versteck.
„Ein rechter Bär hat keine Angst!“, brummt er.
Da muss der kleine Bär lachen.
„Ich weiß“, ruft er übermütig. „Das sage ich auch immer. Mut tut nämlich gut.“
Das freut den Oberbären. „Du gefällst mir“, sagt er und setzt den kleinen Bären auf seinen breiten Rücken. „Doch nun wird gefeiert!“
Und schnell saust er mit dem kleinen Bären zum Festplatz auf der Waldlichtung.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

03. Mai 2014 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Familiengeschichten, Geschichten über Gefühle, Mutgeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Dass gefällt uns sehr gut,
    Jeanny

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