Pech für den kleinen Regentropfen

Er muss viel kämpfen in jenen schwül-warmen Frühlings- und Sommertagen, der kleine Regentropfen – und immer wieder aufs Neue

Ein schwüler Sommertag ist heute. Am Himmel türmen sich hohe Wolkenberge, die wie Blumenköpfe aussehen. In den Wolken geht es hoch her. Millionen und Abermillionen kleiner Wassertropfen purzeln dort durcheinander, und jeder will sich den besten Platz sichern, um mit den ersten Tropfen auf die Erde hinab regnen zu dürfen. Ein richtiges Gedränge und Geschubse ist es, und auch die Blumenkohlwolken drängeln und schubsen einander immer weiter und weiter übers Land.
Da! Ein Blitzstrahl fährt vom Himmel herab, gefolgt von einem grausig lauten Donnerschlag.
“Jetzt, ja, jetzt gleich dürfen wir regnen und endlich die Erde besuchen”, ruft der kleine Regentropfen erregt und drängelt sich noch ein Stückchen weiter nach vorne.
Und da ist es auch schon so weit. Die Wolken öffnen ihre Schleusen, und in dicken Strahlen platschen die Regentropfen auf die Erde, begleitet von wildem Geblitze und Gedonnere.
Der kleine Regentropfen hat es gut erwischt. Mit den ersten Kollegen kommt er zur Erde und landet auf einem Hausdach.
Ein Glück, denkt er, dass ich nicht in einen See oder Bach gefallen bin. Er rekelt sich auf dem Dach und genießt das Erdendasein. Viel schöner ist es hier als im voll gestopften Bauch der Wolke.
“Ich bin frei”, jubelt er. “Juchhu, ich bin endlich frei.”
Während er sich noch freut, sind die Wolken bereits weiter gezogen und machen der Sonne und dem Himmelsblau wieder Platz.
“Schöööööön…”, singt der Regentropfen, “sooo schöööööön…”
Er singt und singt und merkt dabei nicht, wie die Sonnenstrahlen gierig an ihm lecken und fressen. Ihm wird nur auf einmal so unangenehm warm.
Hey, und was ist das? Er spürt, wie er klein und kleiner wird, genau wie seine Kollegen neben ihm. Er will sich festhalten, doch da fühlt er sich auch schon empor gehoben. Ehe er sich versieht, packt ihn unsichtbarer Wasserdampf und schwebt mit ihm himmelwärts. Da hilft kein Wehren und kein Festhalten. Hilflos muss der kleine Regentropfen mit ansehen, wie er sich immer mehr von der Erde entfernt und schließlich in einer neuen Wolke landet. Da sitzt er nun und starrt trübsinnig zur schönen Erde hinab.
“Dumm gelaufen”, ruft er. Aber ich komme wieder, Erde! Ganz bald schon…!”

© Elke Bräunling

Eine etwas kürzere Fassung dieser Geschichte findest du hier: Der kleine Regentropfen und das Sommergewitter

regentropfenbild
Regentropfenversammlung

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

26. Mai 2014 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Gutenachtgeschichten, Naturgeschichten, Sommergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Vielen Dank für die tollen Geschichten, auch ich nehme sie für die Altenbetreuung… mal davon abgesehen freut sich mein 10-jähriger Sohn auch darüber ;o)).

  2. Danke für den netten Kommentar und Willkommen hier im Blog, ja, und viel Spaß mit den Geschichten
    Liebe Grüße
    Elke

  3. Pingback: Als der kleine Sommergeist verschlafen hatte und für ein Gewitter sorgte » Elkes Kindergeschichten

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