Die Elfe und der Wichtel mit den roten Backen

Der kleine Erdbeerwichtel ist ein scheuer Wichtel. Er mag nämlich nicht gerne ausgelacht werden. Es macht ihm Angst.

Als die kleine Wiesenelfe die Waldbewohner zum Tanzfest auf der Hollerwaldwiese einlud, hätte sie beinahe den scheuen Erdbeerwichtel vergessen. Ihn hatte sie heute noch nicht getroffen. Eigentlich hatte sie ihn in diesem Frühling und Frühsommer nicht gesehen.
„Es wird ihm doch nichts passiert sein?“
Eilig sauste die Elfe zur Waldlichtung, wo er seine Höhle hatte und rief:
„Hallo, Erdbeerwichtel! Wo steckst du?“
Niemand antwortete. Nur im Waldbeerenhang oben links raschelte es für einen Moment.
„Erdbeerwichtel! Bist du da?“ Schnell flog die Elfe zum Hang hinauf. Dort schaute sie unter jedes Blatt. Dann sah sie ihn, den scheuen Wichtel. Unter zwei Blättern verborgen lag er und hielt sich die Augen zu.
„Huhu!“, kicherte die Elfe. „Da bist du? Warum antwortest du nicht?“
„W-w-weil i-i-ich gar nicht da bin“, stammelte der Wichtel und seine Backen färbten sich erdbeerrot.
„Wer nicht da ist, kann auch nicht gesehen werden.“ Die Elfe kicherte noch immer. „Und wer nicht gesehen werden kann, liegt nicht mit erdbeerroten Backen unter zwei Blättern.“
Der Wichtel schwieg. Seine Arme und Beine aber fingen zu zittern an. Ein Angstzittern war es. Mühsam setzte sich der kleine ängstliche Kerl schließlich auf.
„K-k-kannst du nicht so tun, a-a-als hättest du mich nicht gesehen?“, fragte er vorsichtig.
„Ich sehe dich aber!“
„Und jetzt?“ Schnell kroch der Wichtel unter die Erdbeerblätter. „Jetzt bin ich nicht mehr da und du siehst mich nicht und du hast mich auch nicht gesehen.“
„Das ist gelogen!“ Die Wiesenelfe war empört. „Lügen ist falsch und Verstecken ist auch falsch. Damit hilfst du dir nämlich nicht.“ Sie beugte sich zu dem zitternden und schlotternden und rotbackigen Wichtel herab und fragte: „Sag, was macht dir Angst?“
Der Wichtel hielt schnell die Hände über seine roten Backen.
„Darum“, antwortete er. „Immer habe ich rote Backen, wenn jemand mich anspricht. Ach, es genügt schon, wenn mich jemand ansieht. Und ganz schlimm, huuu, huuu“, er schlug die Hände wieder vors Gesicht, „ja, ganz schlimm ist es, wenn sie alle lachen und roter Erdbeerwichtel zu mir sagen.“ Er baute sich, mit erdbeerwutrotem Kopf nun, vor der Elfe auf. „Sag, sehe ich etwa wie eine Erdbeere aus?“
Die Elfe konnte nicht anders. Sie musste lachen.
„Siehst du!“, wütete der Wichtel. „Du lachst jetzt auch. Immer lachen alle, und das ist so gemein, gemein, gemein.“
„Warum lachst du nicht auch?“, fragte die Elfe vorsichtig.
„Lachen? Ich? Über mich?“
„Nein. Über das Lachen.“
„Über das Lachen lachen?“ Der Wichtel staunte. Dann lächelte er. „Warum nicht? Man könnte es versuchen.“ Und vor Aufregung bekam er nun auch noch eine rote Nase.

© Elke Bräunling

der wichtel und die elfe mit den roten backen

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

18. Juni 2014 von Elke
Kategorien: Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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