Mia und der kleine Ärger

Es lohnt nicht, sich über andere zu ärgern, auch nicht in der Schule

Mia ist sauer. „Herr, lass Hirn regnen!“, hat Alex beim Fußballspielen zu ihr gesagt. Weil sie zwei Mal wegen diesem doofen Abseits den Ball an die Gegnermannschaft abgeben musste. Das ist bloß passiert, weil Mia zu schnell gelaufen ist und weil sie unbedingt auch ein Tor schießen wollte.
„Das mit dem Abseits begreift ihr Weiber nie!“, hat Alex laut gerufen und blöde dabei gelacht.
Klar, dann haben alle gelacht.
„Ich bin doch nicht doof!“, hat Mia zurückgerufen. „Nur ein bisschen schneller bin ich. Pah!“
Da haben alle noch mehr gelacht und Alex hat, ebenso laut wie vorher, gegrölt: „Die Rechenarbeit vorgestern hast du auch verhauen. Fußball und Rechnen, ha, das kapieren Mädchen nie!“
Wie gemein. Vorgestern hatte Mia Halsweh und Schnupfen gehabt. Nur diese Erkältung war schuld, dass sie so viele Fehler in der Arbeit gemacht hat. Aber nun lachen alle über Alex‘ doofe Witze.
„Mädchen sind genau so schlau wie Jungs“, schimpft Mia.
Wütend ist sie nach Hause gegangen und wütend ist sie heute auch aufgewacht. Eigentlich ist es noch gar nicht richtig Morgen. Die Nacht macht der Dämmerung nur langsam Platz. Mia aber kann nicht mehr einschlafen. Die Wut im Bauch will sie nämlich nicht mit in den Tag nehmen. Streit mag sie nicht leiden.
Leise schleicht sie sich in den Garten zu ihrer Schaukel am Apfelbaum. Dort kann sie am besten nachdenken. Schön ist es hier. Die Vögel sind längst erwacht und singen miteinander um die Wette.
Mia setzt sich auf die Schaukel, lauscht dem Vogelkonzert und schaut zu, wie der hellgelborangefarbene Sonnenstreifen am Himmel im Osten breit und breiter wird. Süß duftet es ringsum. Nach Sommer und Blüten und frischer Erde.
„Sommer ist toll“, sagt Mia. „Und am schönsten ist es, der Sonne beim Aufwachen zuzusehen.“
Was ist dagegen dieser kleine Ärger mit Alex und den lachenden Freunden, dem Abseits und der Rechenarbeit? Sie blickt zu dem Sonnenstreifen hinüber. Ganz breit und orangegelb ist er nun. Und da, jetzt, der erste Sonnenstrahl streift über die Gärten und kitzelt ihre Nase. Wie schön ist das! Und wie glücklich fühlt Mia sich!
Sie lächelt. Klein dagegen ist nun die Wut, die sie mit sich herumgetragen hat. Und über die Sache gestern auf dem Spielplatz muss sie lachen.
„Der Spruch mit dem ‚Hirn-Regen‘ ist dumm“, murmelt sie. „Und Streit haben ist auch dumm.“

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

26. August 2014 von Elke
Kategorien: Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Naturgeschichten, Schulgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | 1 Kommentar

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