Vom festlichen Monat Dezember

Alle Monate sind schön und haben ihre Reize. Doch, irgendwie, ist der Dezember für viele Menschen doch ein klitzekleines Bisschen schöner …

„Ich bin der Letzte!“
Der Dezember betrachtete sich in der spiegelnden Oberfläche des großen Meeres.
„Und irgendwie sehe ich auch danach aus: alt und faltig.“
Er runzelte die Stirn, dann klatschte er in die Hände und weckte seine Monatskollegen aus ihrem Novemberschlaf und rief:
„Wie sagen es die Menschen zuweilen? Die Letzten werden die Ersten sein. Dezemberzeit ist Partyzeit! Jeder meiner Tage wird ein Fest sein. Ein unvergessliches Fest sogar. Ja! Ich will feiern! Beeilung!“
Die anderen Monate sahen sich verwundert an. Was war auf einmal los mit dem Dezember, diesem besonnenen und weisen Kollegen?
„Warum der Stress?“, erkundigte sich der Juli und gähnte.
Der Juni nickte. „Es ist die Zeit des Winterschlafs. Die Natur hat sich zur Ruhe begeben, die Tiere schlafen und die Tage sind kurz.“
„Kurz und dunkel“, bestätigte der März. „Erst wenn ich …“
„Du bist nicht gefragt, Angeber!“, brummte der Oktober.
„Eben!“, schnitt der Dezember seinen Freunden das Wort ab. „Dunkel! Es ist dunkel, nebelig und kalt dort unten im Land. Müde sind die Menschen und gestresst. Es ist höchste Zeit, die Lichter anzuzünden.“
Er formte die Hände zu einem Trichter und rief laut:
„Hey, Kollege November! Ich komme!“
„Bin schon da!“ Mit gesenktem Haupt kam der November angeschlichen. Er wischte sich ein paar Tränen von den Wangen. „Bei mir sind die Menschen oft traurig und übellaunig. Und das macht mich auch traurig.“
„Das wird sich nun ändern“, tröstete der Dezember ihn. „Ich bringe das Licht ins Dunkel. Ich bin der Monat des Lichts und der festlichen Feste, und, nebenbei bemerkt, der Lieblingsmonat der Kinder.“
„Falsch!“, warf der Februar ein. „Der Lichtmonat, der bin ich.“
„Und der Lieblingsmonat“, protestierte der August, „der …“
„Mein Licht ist anders.“ Der Dezember lächelte. „Es ist ein kleines Licht, ein leises, feierliches. Ein geheimnisvolles.“
„Und dieses warme Licht muss nun zu den Menschen gebracht werden“, ergänzte der November. „Deshalb bin ich auch schon ein paar Tage früher zurückgekehrt. Geh und bring ihnen deine Freude, dein Licht und deine Feste.“
Der Dezember nickte zufrieden. „Du bist ein guter Kollege und ich danke dir für die zusätzlichen Tage. So kann ich mit den Menschen schon zum letzten Novembersonntag den ersten Lichtsonntag – sie nennen es Advent – feiern. Wunderbar! Nun muss ich aber los, die Kerzen anzünden.“
Und das tat er dann auch, der Dezember. Mit kundigen Schritten zog er von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus, und überall lag plötzlich eine leise, feine, liebevolle und freudige Stimmung in der Luft. Und wenn man ganz still war, konnte man es auch hören. Ein Singen, das durch die Lüfte sirrte: Dezember ist da, die schöne Zeit im Jahr mit hellem Licht und Kerzenschein, mit süßen Düften und Heimlichkeiten , mit Nikolausfreuden, Lichtfesten, Winteranfang und ersten Schneeflocken, dem Weihnachtsfest und seinen Feiertagen und mit dem letzten Tag im Jahr.
Und die Menschen, die liebten ihn, den Monat Dezember. Und der liebte die Menschen. Und ein kleines bisschen auch sich selbst.
„Ich bin der Beste“, murmelte er und schielte zu seinen Kollegen hinauf.
„Und der Letzte …“, griente der Januar, der sich schon die Hände rieb.
Doch das überhörte der Dezember, und das war auch gut so.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

27. November 2014 von Elke
Kategorien: Weihnachtsgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , | 5 Kommentare

Kommentare (5)

  1. Huhu Elke,

    die Geschichte ist perfekt …..und wird am Montag bei meinem Adventsfenster vorgelesen …ich werde dann in meinem Blog darüber berichten !

    Vielen Dank & Gruß

    Antonia

  2. Das freut mich sehr und ich bin gespannt, wie die Geschichte ankommt. Sehr sogar.
    Viel Spaß damit
    und alles Gute

    Sonntagsgruß
    Elke,
    die für morgen die Daumen drücken wird

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