Der Adventskranz mit den Stummelkerzen

Wer darf die erste Kerze am Adventskranz anzünden? Keine leichte Frage, oder?

Anna, Katja, Felix und Bernd finden eigentlich immer einen Grund zum Streiten. Auch heute, am ersten Adventssonntag.
“Ich darf die erste Kerze anzünden”, ruft Anna.
“Immer du”, mault Felix. “Dieses Mal bin ich an der Reihe.”
“Hoho!”, schreit Bernd. “Du verbrennst dir nur die Pfoten. Nein, diese Kerze zünde ich heute an.”
Anna und Felix brechen in Gelächter aus. “Du bestimmt nicht”, johlen sie. “Du nicht.”
Katja fängt an zu heulen. “Und ich?”, schluchzte sie. “Ich komme immer als letzte dran. Das ist gemein. Ich will die erste Kerze anzünden.”
“Nein ich!” “Nein ich!” “Keine Frage, ich natürlich!”
Schon ist ein großer Streit zugange. Die Geschwister schimpfen und sind furchtbar böse aufeinander.
“Pfui!”, schreit Anna auf einmal. “Heute ist erster Advent, und ihr streitet. Das ist nicht schön.” Sie nimmt ein Streichholz und zündet die erste Kerze an.
“Genau! An Advent streitet man nicht”, ruft Felix und holt sich auch ein Streichholz. Schon brennt die zweite Kerze.
“Ich will gar nicht streiten”, meint Bernd trotzig und zündet schnell die dritte Kerze an.
“Ich auch nicht!” Schon hat Katja die vierte Kerze angezündet. “So”, sagt sie zufrieden und blickt ihre Geschwister an. “Jetzt müssen wir nicht mehr streiten.”
Doch Lust zum Streiten haben die vier auch nicht mehr. Sie starren den Adventskranz mit den vier brennenden Kerzen an und fühlen sich gar nicht mehr wohl. Die Kerzen flackern und zaubern kleine Schattenbilder auf ihre Gesichter, doch heute sieht das nicht so feierlich aus wie sonst.
Viel schneller als gedacht sind aus den vier prächtigen roten Kerzen kleine Stummel geworden.
“Nun haben wir keine Kerze mehr für die nächsten Adventstage”, schluchzt Katja.
“Und der Advent ist noch so lange”, stöhnt Bernd.
“Und dunkel”, meint Anna.
“Ganz schön dumm sind wir gewesen”, schimpft Felix.
Und das denken sie noch sehr oft an diesem Tag.
Ja, und hätte nicht ein stiller, lieber ‚Weihnachtswichtel’, der wie Mama aussieht, in der Nacht neue Kerzen an den Adventskranz gezaubert, wäre diese Adventszeit eine ziemlich traurige Zeit geworden.

© Elke Bräunling

 

 

Diese Geschichte findest Du in dem Erzählband „Oma und ich und die Weihnachtszeit“ von Regina Meier zu Verl und Elke Bräunling


Taschenbuch: Oma und ich und die Weihnachtszeit: Advents- und Weihnachtsgeschichten
Ebook: Oma und ich und die Weihnachtszeit *

 

*Affiliate Link

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

30. November 2014 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. So bezaubernd wie alle eure Geschichten, die ganz wunderbar zärtlich auf die Adventszeit einstimmen.

    So schön auch die neue Seite. Übersichtlicher, einladender und genauso sanft und unaufdringlich, wie die Geschichten, die darin versammelt sind.

    Ein lieber Gruß
    von Frau Morgentau

  2. Oh, liebe liebe Andrea! Ich danke dir ganz arg sehr für deinen Besuch hier. Am liebsten würde ich dir einen gemütlichen Schaukelstuhl nahe beim Ofen hierher ins Blog stellen und …
    Ach, wir Träumer wieder …

    Hab einen schönen Tag und ein lieber Gruß zurück
    Deine Ele

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen