Ein seltsamer Wunsch an den Nikolaus

Der Nikolaus ist da, nur Papa ist wieder nicht da. Nie hat Papa Zeit und das sagt Maxi auch dem Nikolaus

Heute ist Nikolaustag, und Maxi ist sauer. Papa ist nämlich immer noch nicht nach Hause gekommen. Dabei hat er fest versprochen, pünktlich zu sein. Aber Papa hat ja nie Zeit für Maxi! Meist sitzt er am Computer oder liest oder er ist müde. Maxi aber würde so gerne mit Papa spielen, kicken und all die anderen Dinge tun, die seine Freunde mit ihren Vätern unternehmen. „Bald wird alles anders“, hat Papa versprochen, doch Maxi wartet noch immer auf dieses ´Bald-wird-alles-anders!´ Und nun ist Papa nicht einmal heute da!
„Er kommt bestimmt gleich“, tröstet Mama, doch Maxi glaubt ihr nicht.
„Das sagst du immer“, schimpft er.
Da poltert es auch schon im Flur, und der Nikolaus schlurft herein. Er hat einen dick gefüllten Gabensack dabei und ist sehr nett. Maxi aber ist nicht nett zum Nikolaus. Er sagt kein Gedicht auf und er singt ihm auch kein Lied vor.
Der Nikolaus blickt ein wenig betrübt drein. „Schade“, sagt er und öffnet seinen Sack. „Aber deine Geschenke magst du doch haben, oder?“
„Nein“, sagt Maxi zu dem Nikolaus, der Papas Stimme und Papas Lächeln hat. „Was ich mir wünsche, hast du bestimmt nicht in deinem Sack.“
„So?“ Der Nikolaus spielt nervös an seinem Lockenbart herum. „Was wünschst du dir denn?“, fragt er.
„Einen anderen Papa“, sagt Maxi mit fester Stimme. „Einen, der Zeit für mich hat.“
Mama kriegt einen gehörigen Schreck, und auch der Nikolaus zuckt zusammen. Seine roten Apfelbäckchen sind ganz blass geworden.
„Du möchtest einen anderen Papa haben?“, fragt er schließlich. „Was für ein seltsamer Wunsch!“
Maxi nickt, und Tränen laufen über seine Backen. „Ein Papa, der Zeit für mich hat…“
Maxi schweigt. Der Nikolaus schweigt, und auch Mama sagt nichts.
„Du kannst Papa doch nicht einfach umtauschen!“, sagt Mama endlich.
Der Nikolaus aber klopft Maxi auf die Schultern. „Du hast Recht“, sagt er. „Ein Papa muss Zeit für seine Kinder haben. Tja, wie kann ich dir helfen? Und wird dein Papa nicht traurig sein, wenn du ihn einfach so umtauschst?“
„Traurig?“, fragt Maxi erschrocken. Der Nikolaus nickt. „Bestimmt. Ich kann ja mal mit deinem Papa sprechen? Vielleicht hat er dann ja doch ein bisschen mehr Zeit für dich.“
Maxi denkt nach. „Nein“, sagt er, „ich sag´s ihm selber.“ Er schielt zu dem Sack. „Krieg ich jetzt trotzdem meine Geschenke, Nikolaus?“

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

02. Dezember 2014 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , | 10 Kommentare

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