Herr Griesgram und die Ordnung im Schnee

Die Schneewelt soll hell und sauber sein … und bleiben … meint Herr Griesgram

Endlich Schnee! Es war, als hätte über Nacht eine Zauberfee – klingklong – ihren Feenstab geschwungen und damit die Landschaft unter einer dicken Schneedecke versteckt.
„Wunderbar!“, sagte Herr Griesgram, der am Morgen am Fenster stand und in die helle Schneelandschaft schaute. „Endlich ist draußen alles sauber und weiß. Das nenne ich Ordnung! Die Welt muss ordentlich sein. Jawohl.“
Er nickte und war zufrieden mit dem Tag. Unordnung nämlich mochte er nicht leiden.
Drohend fast sah er zu den Nachbarhäusern, in deren Gärten Kinder spielten, hinüber.
„Wehe!“, grollte er. „Ihr wagt es, in die Nähe meines Hauses zu kommen und meine Schneeordnung zu beschmutzen. Wehe!“
Und mit griesgrämiger Miene funkelte er aus dunklen Augen all die Nachbarn an, die mit Besen und Schneeschiebern die Gehwege vor ihren Häusern kehrten und den Schnee in hohen Wällen an den Straßenrand schoben.
„Immer müssen sie Unordnung schaffen“, grummelte er. „Was ist gegen einen sauberen, unberührt weißen Schneeweg zu sagen? Nichts. Aber diese Menschen müssen immer alles zerstören. Pah!“
Und er beschloss, seinen Fensterplatz zu verlassen und draußen nach dem Rechten zu sehen.
Grollend stapfte er durch den tiefen Schnee im Vorgarten zur Eingangspforte.
„Wehe!“, sagte er wieder, nun etwas lauter. „Ich werde …“
Doch er kam nicht dazu, seine Drohung auszusprechen. Es war nämlich so, dass jene Zauberfee, die in der Nacht den schönen weißen Schnee brachte, vorab einen Streit mit dem Eisriesen gehabt hatte. Jener Eiskerl hatte – klixklax – den Boden mit einer rutschigen unsichtbaren Eisschicht grundiert. Niemand konnte sie sehen, schon gar nicht Herr Griesgram. Der nämlich sah immer nur das, was offensichtlich war. Und im Augenblick war offensichtlich, dass Kinder auf seinem ordentlichen, weißen Gehweg Schneebälle im Schnee rollten, um einen Schneemann zu bauen.
„Was soll diese Unordnung hier!“, polterte Herr Griesgram los. Mit Schwung trat er aus der Gartenpforte, rutschte auf dem Eis aus, das sich unter dem Schnee versteckte, und fiel mit einem lauten Plumps auf sein Hinterteil.
„Autsch!“ Herr Griesgram ruderte mit den Armen und schimpfte. „Das habt ihr mit Absicht getan, ihr Lausekinder! Ich werde euch …“
Er kam nicht weiter, denn mitten in sein Geschimpfe kamen von allen Seiten viele saubere, ordentlich geformte Schneebälle angeflogen und die seiften den griesgrämigen Herrn Griesgram einmal so richtig ordentlich ein.
Ordentlich musste schließlich auch dies sein, oder?

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

14. Januar 2015 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Spaßgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , | Schreibe einen Kommentar

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