Mabos erste Schlittenfahrt

Es gibt Kinder, die noch nie Schnee gesehen haben. So wie Mabo

Zum ersten Mal in seinem Leben sieht Mabo Schnee. Schön ist das. Und kalt. Aber auch aufregend. Noch aufregender ist das Schlittenfahren.
Staunend und frierend steht Mabo am Rande der steilen Wiese und sieht den Kindern beim Rodeln zu. Es macht ihnen Spaß, denn sie jubeln laut, selbst wenn sie mit ihren Schlitten umkippen und in den Schnee fallen. Lachend stehen sie wieder auf, klopfen sich den Schnee von Gesicht und Kleidern und flitzen weiter den Hang hinab.
Mabo möchte auch einmal gerne auf einem Schlitten den Hang hinab sausen. Aber er traut sich nicht, die Kinder anzusprechen. Sein Deutsch ist schlecht, außerdem fühlt er sich drei Wochen nach dem Umzug noch fremd hier in seiner neuen Heimat.
Er seufzt. Ein Umzug in ein Land so weit weg von Zuhause ist gemein. Schon tropft eine Träne über seine Backen, und Mabo wendet sich schnell ab.
Da kommt ein Schneeball geflogen. Er landet auf Mabos Mütze, und eine Jungenstimme ruft lachend: “Treffer!”
Mabo schüttelt sich. Dann muss er auch lachen, als einer der Jungen auf ihn zugeschlittert kommt und “Bist du neu hier?” fragt.
Mabo nickt und stammelt: “Nicht gut sprechen Deutsch.”
Da lacht der Junge wieder. “Ich heiße Micha”, sagt er. “Vor zwei Jahren bin ich auch fremd gewesen. Wir kamen aus Russland, und keiner wollte mit mir spielen. Blöd, nicht?” Er fasst Mabo an der Hand und zieht ihn zu seinem Schlitten. “Beim Rodeln muss man nicht sprechen.”
“Schnee auch fremd”, murmelt Mabo. “Aber schön.”
Dann stapft er vorsichtig hinter Micha den Hang hinauf und noch vorsichtiger setzt er sich auf den Schlitten. Ein bisschen graust es ihn, den steilen Hang hinunterzufahren.
“Es ist ganz einfach”, sagt Micha und setzt sich hinter Mabo auf den Schlitten. “Halte dich an mir fest – und los geht´s!”
Und schon geht es auch los! Blitzschnell saust der Schlitten den Hang hinunter, und das macht solchen Spaß, dass Mabo laut “Wow!” und “Cool!” ruft.
Da lachen die anderen Kinder und rufen von nun an auch “Wow!” und “Cool”, wenn sie hinter Micha und Mabo den Hang hinunter rodeln.
Den ganzen Nachmittag lang. Wow und cool!
Nun, cool ist es auch, denn als es dämmert, haben alle Rodler kalte Hände, Füße und Nasen. Trotzdem fühlt sich Mabo so warm wie noch nie in seiner neuen Heimat.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

16. Januar 2015 von Elke
Kategorien: Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Mutgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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