Der Schatz im Stadtwald

Bei der Schatzsuche kann man manchmal ganz andere „Schätze“ finden

Ein interessanter Artikel stand heute in der Zeitung: Im Stadtpark hatten Archäologen ein altes Römergrab mit Goldmünzen und einer wertvollen Goldkette entdeckt. Eine Sensation!
„Toll”, sagte Pit. „So ein Grab möchte ich auch finden.”
„Ihhh!” Pia schüttelte sich. „Ich mag kein Skelett ausgraben.”
„Na ja”, meinte Pit, „die Römer haben nicht nur Tote vergraben. Vielleicht hatte einer von denen irgendwo im Park einen geheimen Goldschatz verbuddelt. Dann aber sind die Germanen gekommen und der Römer musste fliehen.” Er nickte. „So kann es gewesen sein. Viele alte Goldmünzen liegen vielleicht im Stadtpark, und keiner weiß es. Boah, das wäre doch klasse, oder?”
Pia nickte. „So eine alte Goldkette würde mir gefallen.”
„Sehen wir uns einfach mal um!“, schlug Pit vor, und weil sie nichts Besseres vorhatten, marschierten sie mit Harke, Schaufel und Tüten bewaffnet in den Stadtpark. Am Ende des Parks verließen sie den Weg und schlugen sich ins Gebüsch, wo sich ein kleines Wäldchen mit einem Hügel anschloss.
„Da müssen schon andere vor uns da gewesen sein“, murmelte Pia und rümpfte die Nase.
„Schatzsucher?“, fragte Pit.
„Nein, Säue. Lauter Müll liegt hier. Und Glasscherben. Pass auf! Die sind gefährlich.“
Vorsichtig stiegen die Geschwister über Bierdosen, Weinflaschen, Altpapier, Zigarettenkippen und anderen Abfall.
„Blöde Schätze sind das“, murrte Pia. „Warum werfen die Leute ihren Dreck hierher?“
Auch Pit war sauer. „Wenn sie das Zeugs wenigstens vergraben hätten, so wie es die Leute früher mit ihren Schätzen gemacht haben. Dann würde das Wäldchen nicht so schmutzig aussehen.“
Pia nickte. Dann aber musste sie lachen. „Stell dir vor, die hätten den Müll hier eingebuddelt, und in hundert Jahren oder so würde jemand das Zeugs finden. Blöd gucken würde der. Hoho.“
„Er würde denken, dass die Leute, die das vergraben haben, Müllsäue gewesen sind“, sagte Pit.
„Und dann würden ihre Archäologen kommen und sagen, dass der Müll für uns so wertvoll gewesen ist wie für die Römer das Gold.” Er schüttelte sich.
Pia aber lachte noch mehr. „Dann stammen wir also aus dem Müllzeitalter.“
„O Mann“, fluchte Pit. „Findest du das gut?”
Pia schüttelte den Kopf. „Gar nicht gefällt mir das. Ich habe jetzt auch keine Lust mehr, hier den Römerschatz zu suchen.“
Sie bückte sich und fing an, Dosen, Flaschen, Glasscherben, Papierfetzen und all den anderen Müll zu einem kleinen Müllberg aufzuhäufen.
„Gute Idee“, sagte Pit und sammelte all diese ‚Schätze’ in die Tüten ein. Es war viel Arbeit, und die beiden hatten schwer zu schleppen, als sie sich auf den Heimweg machen.
„Den Goldschatz“, meinte Pit tröstend, „graben wir morgen aus und …”
„ … und überhaupt“, unterbrach ihn Pia, „ist das, was wir heute gefunden haben, auch so etwas wie ein Schatz. Vor allem, wenn er nicht mehr auf dem Waldboden liegt und die armen Pflanzen und Tiere kaputt macht, oder?“
© Elke Bräunling

Eine kürzere Fassung dieser Geschichte findet ihr hier: Pit und Hannes suchen einen Schatz

Aus dem Buch:

WALDGESCHICHTEN

Taschenbuch: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Wald: Waldgeschichten für Kinder
Ebook:
Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Wald

Information

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

06. März 2015 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Freundschaftsgeschichten, Frühlingsgeschichten, Naturgeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Pingback: Pit und Hannes suchen einen Schatz » Elkes Kindergeschichten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert