Das Esels-Ei

Es gibt nicht nur Hühnereier, das haben die Stadtkinder Mara und Max längst gelernt. Aber ob es ein Esels-Ei gibt, das wissen sie – noch – nicht. Hat Papa da einen Scherz gemacht?

Mara und Max verbringen mit ihren Eltern ein Wochenende auf dem Bauernhof. Eine aufregende Sache für die beiden Stadtkinder! Gleich nach der Ankunft stolpert Mara über ein hartes Ding, das auf dem Boden liegt. Es ist länglich und schmuddelgrau.
„Was ist das?”, fragt Mara.
„Ein Ei vielleicht?”, rät Max.
„Echt?”, staunt Mara.
„Lass mal sehen!“ Papa beugt sich über das Fundstück. „Ich glaube“, sagt er dann, „es ist ein -äh- Eselsei!“
„Ein Eselsei?”, ruft Max. „Kann man das ausbrüten?“
„Man könnte es versuchen.“
„Dürfen wir den Esel dann auch behalten?”, fragt Mara aufgeregt.
„Aber ja“, sagt Papa großzügig und grinst.
Auch Mama kichert. „Der Esel wäre dann ja fast so etwas wie euer Kind, nicht? Doch nun brütet erst mal schön und lasst uns ein bisschen ausruhen! Wir sind ja sooo müde!“
Mara und Max freuen sich so sehr über ihr Eselsei, dass sie nicht merken, wie albern sich ihre Eltern benehmen. Schnell verziehen sie sich mit dem ´Ei´ in die Scheune und bauen ein Nest. Einen eigenen Esel zu haben finden sie nämlich nicht schlecht. Ihre Freunde würden staunen!
Als Erste beginnt Mara mit dem Brüten. Vorsichtig setzt sie sich auf das ´Ei´ und brütet und brütet und brütet. Ab und zu lugt sie ins Nest. Ob es schon so weit ist? Nichts. Wie lange dauert es, bis ein Esel ausschlüpft?
Mara wird ungeduldig. Brüten ist langweilig.
„Hey, Max!”, brüllt sie über den Hof. „Du bist dran mit dem Eselbrüten!“
„Brüten?“ Tim, der Sohn der Bauersfamilie, taucht mit Max im Schlepptau auf. Verdutzt starrt er Mara an.
„Esel brütet man doch nicht aus!”, knurrt er. „Schon gar nicht aus einer Zuckerrübe! Typisch Stadtleute!“
„Zu-zuckerrübe?”, stammelt Mara, „du meinst, ich sitze hier auf einer Zuckerrübe und langweile mich zu Tode?“
„Ihr spinnt!”, lacht Tim, und weil er mit dem Lachen gar nicht mehr aufhören kann, bleibt Mara und Max nichts anderes übrig als mitzulachen. So etwas Dummes aber auch!
„Trotzdem ist es gemein von Papa“, sagt Mara später. „Ich hätte so gerne einen eigenen Esel gehabt.“
„Wie wär´s mit einem eigenen Kätzchen?”, schlägt Tim vor. „Wir haben vier Stück in gute Hände zu verschenken!“
„Und die muss man nicht ausbrüten?”, fragt Mara vorsichtig.
Tim schüttelt den Kopf. „Nö, die gibt´s sofort.“
„Toll“, ruft Max, und Mara jubelt: „Ein Kätzchen hab´ ich mir schon immer gewünscht. Was aber werden Mama und Papa sagen?“
„Lass mich mal machen!”, sagt Max grimmig. „Ich habe eine Idee!“
Wenig später betreten Mara und Max mit einem niedlichen Katzenbaby das Zimmer ihrer Eltern.
„Seht mal, was wir aus unserem Ei ausgebrütet haben!”, ruft Max.
„Ein Kätzchen! Ist es nicht süß?”, fragt Mara. „Ein Esel war leider nicht in dem ´Ei´, aber ein Kätzchen ist auch nicht schlecht!“
„Außerdem passt es besser in unser Auto!”, grinst Max. „Und in unsere Wohnung!“
„K-k-kätzchen? Au-au-auto? W-wohnung?”, stammelt Papa und starrt ungläubig auf das Katzenbaby in Maras Armen.
Mama aber grinst. „Das hast du nun davon“, kichert sie, und auch Mara und Max können nicht mehr ernst bleiben. Es sieht nämlich wirklich zu komisch aus, das Gesicht von Papa.

© Elke Bräunling

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Information

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

24. März 2015 von Elke
Kategorien: Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | 1 Kommentar

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