Der Zirkustraum

Fabian möchte zu gerne ein Zirkuskind sein und in einem bunten Zirkuswagen durch die Lande ziehen

Fabian saß am Fenster und träumte. Er träumte bunt. Vom Zirkus. Neulich hatte er einen Zirkuswagen gesehen. Es war ein alter, bunt bemalter Wagen gewesen mit zwei Fenstern und einem Ofenrohr, das aus dem Dach ragte. Ein ähnlich alter, lilafarbener Traktor hatte den Wagen gezogen und neben dem Fahrer saß ein Junge mit einer Baskenmütze und einem roten Schal um den Hals. Nicht viel älter als Fabian war der Junge gewesen.
„Der Junge muss nicht in die Schule gehen“, sagte Fabian mit einem tiefem Seufzer. „Der darf im Zirkuswagen wohnen und durch viele Städte reisen. Das will ich auch haben.“
„Er muss viel mehr arbeiten als du. Nicht nur für die Schule“, erwiderte Mama, die Fabians Wunsch nicht ganz so spannend fand. „Auch Zirkuskinder lernen Lesen und Schreiben und Rechnen. Das kannst du mir glauben.“
„Egal.“ Über Schule und ein hartes Zirkusleben wollte Fabian heute nicht mit Mama reden. Jetzt waren erst einmal Ferien, und da durfte man träumen.
Außerdem musste Mama nicht alles wissen. Sie würde seine Träume nicht verstehen. Dass Fabian bald ein großer Tigerdompteur sein würde zum Beispiel. Mama wusste auch nicht, dass Fabian für die Ferientage schon einen Plan hatte. Er würde nämlich den Job eines Tigerdompteurs üben. Mit den Katzen Mouri, Sandy, Fippi und Friedolin, die dann keine Katzen mehr waren, sondern große, kluge, berühmte ‚Katiger‘. Ganz tolle Katzentiger werden sie sein und viele Kunststücke wird er ihnen beibringen. Heimlich. In der alten Scheune am Feldrand. Dort, so der Plan, wird er eine Manege einrichten und bald, in einem Jahr oder so, wird er seine erste Zirkusvorstellung geben. Berühmt werden sie dann alle sein, seine Katiger und er, und viele Leute kommen zu den Vorstellungen.
Ja, so würde das sein. Bald. Wenn das mit der Katiger-Dressur so richtig klappte. Aber vorher wartete die Arbeit. Mehr Arbeit als das bisschen Schule.
Fabian seufzte. Ganz schön stressig würden diese Ferien sein. Aber wie sagte Oma immer? „Ohne Fleiß, kein Preis.“ Und das hieß übersetzt: Ohne Arbeit mit den Katigern kein Tigerdompteur-Job und kein Ruhm. So einfach war das.
Wie anstrengend Träume doch manchmal waren!
Wieder blickte Fabian aus dem Fenster. Er sah einen Jungen mit einem roten Schal und einer schwarzen Kappe. Der saß auf der Gartenmauer und hielt ein Buch in den Händen. Ein Buch mit einer Zirkusgeschichte.
Der Junge war er und mit einem Buch saß er in jeder freien Minute draußen auf der Mauer. Es war ein perfekter Platz zum Lesen, und ehrlich, Lesen war spannend und lange nicht so arbeitsam und mühselig wie der Job eines Katiger-Dompteurs.
Fabian grinste und langte nach dem Buch, das auf dem Regal lag. Noch 37 Seiten, dann hatte er es zu Ende gelesen. Dann, ja, dann würde er die Dressur mit den Katigern beginnen. Oder ob er dann erst doch noch das neue Piratenbuch lesen und das aufregende Abenteuerleben eines Piraten planen sollte? Pirat sein, das wäre nämlich auch nicht schlecht.
© Elke Bräunling

Eine kürzere Fassung dieser Geschichte findest du hier:Fabian will ein Zirkusjunge sein

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

08. April 2015 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Familiengeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 1 Kommentar

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