Mia und der Quasselbär

Immer Reden (oder Zuhören) kann ganz schön anstrengend sein

Mia möchte ihren Eltern immer ganz viel erzählen. Die aber haben oft keine Zeit, zuzuhören.
„Es ist gemein, wenn keiner zuhört und mit mir redet“, beschwert sie sich bei Quassel, dem alten Flohmarktteddy. „Wenn du wenigstens sprechen könntest!“
„Wer Quassel heißt, kann sehr wohl reden und zuhören“, wehrt sich der Bär.
„Du kannst reden?”, staunt Mia. „Bist du ein Zauberbär?”
„Nein, ein Quasselbär”, antwortet Quassel. „Doch auch mir mag keiner zuhören und weil ich zu viel quassele, lande ich immer wieder auf dem Flohmarkt.“
„Armer Quassel”, sagt Mia. „Das mit dem Reden kenne ich. Dabei wollte ich heute nur erzählen, wie Pit heute in der Schule …”
„Schule?”, unterbricht sie der Bär. „Kennst du eigentlich die Sache mit der Zauberkreide? Nein, oh, das muss ich dir gleich erzählen, nämlich damals, als ich in Plüschhausen war …” Und Quassel erzählt 1001 Schulgeschichten.
Er redet und redet und Mia hat keine Chance, ihn zu unterbrechen. Und weil er so viel und schnell redet, verliert Mia die Lust am Zuhören.
„Nachher kommt ein Pippi-Langstrumpf-Film”, sagt sie schnell, als der Bär endlich für eine kleine Atempause schweigt.
„Pippi Langstrumpf?”, quasselt Quassel los. „Wusstest du, dass ich ein Freund von Pippi bin. In all ihren Filmen habe ich als Schauspieler mitgewirkt und …“
Mia spürt, wie es in ihr so zu kribbeln beginnt, dass sie es fast nicht mehr aushält.
„Du nervst mit deinem Gequassele!”, brüllt sie los. „Halt endlich den Mund!“
„Ich nerve? Soso.” Quassel schweigt beleidigt, und Mia atmet auf. Irgendwie kann sie ihre Eltern verstehen. Es ist wirklich nicht einfach zuzuhören, wenn man müde ist.
„Ich werde ab jetzt nicht immer so viel erzählen und fragen”, verspricht sie Papa später.
Der sieht erstaunt auf. „Warum?”, fragt er. „Ich mag deine Erzählungen, meine kleine Quassel-Mia.“
„Ehrlich?”, wundert sich Mia.
„Ehrlich”, sagt Papa, „Aber alles zu seiner Zeit, klar?”
„Klar!”, kichert Mia. „Weißt du schon, was Pit heute in der Schule …?”
Papa stöhnt gequält. „Nicht jetzt, Mia!”
Na ja, dann irgendwann eben …

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

09. April 2015 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Gutenachtgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , | Schreibe einen Kommentar

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