Lenas „Einmal-anders-Geburtstag“

Als Lena einmal alle Menschen glücklich machen wollte

Lenas Geburtstag ist fast immer in den Ferien, und Lena weiß nie, ob sie sich freuen oder ärgern soll. Zwar muss sie dann nicht in die Schule gehen, doch sie hat auch das Pech, dass ihre Freunde meist verreist sind. So auch in diesem Jahr.
Was tun? Die einladen, die daheim geblieben waren? Das war ein Problem: Micha hatte ‚dumme Kuh‘ zu Lena gesagt, Berti wusste immer alles besser, Evi machte sich an Lenas Freund Felix ‚ran, und Melli konnte Lena auf den Tod nicht ausstehen. „Diese Transuse“, sagte sie, „ist zu blöd, um …“ Nun, Melli also auch nicht. Doch wen dann?
„Dann wird eben nicht gefeiert“, maulte Lena.
Unsere Eltern lächelten nur. „Sie wird es sich überlegen“, meinte Mama, und Papa tat auf einmal sehr geheimnisvoll.
Lena aber beschloss, ihren Geburtstag einmal ganz anders zu feiern. In einer Zeitung hatte sie gelesen, dass die Leute viel netter zueinander sein müssten, um glücklich zu sein. Das gefiel ihr.
„An meinem Geburtstag werde ich zu allen Leuten einmal ganz besonders nett sein“, erklärte sie mir.
„Auch zu Micha, Berti, Evi und Melli?“, fragte ich scheinheilig.
Lena starrte mich böse an. „Zu denen nun gerade nicht“, meinte sie.
Der Geburtstag kam, und mit ihm viele Überraschungen. Alle waren sie dank Papas Geheimniskrämereien nämlich zum Feiern gekommen: Lisa, Pit, Maja, Tini, Anna und Felix, dann natürlich auch Micha, Berti, Evi und Melli, die Großeltern, Tante Ida, Onkel Udo und Nachbar Locke. Ja, alle waren da. Nur Lena nicht. Die hatte sich nämlich davongemacht, um zu allen Leuten besonders nett zu sein.
Papa schluckte, denn er hatte sich große Mühe mit dem Fest gegeben, und so saßen wir alle im Garten und warteten neben Tischen voller leckerer Festmahl-Köstlichkeiten auf Lena. Die aber kam nicht.
Als Mama gerade vorschlug, schon mal ohne Lena mit dem Feiern anzufangen, tauchte sie endlich auf zusammen mit den Fußballkids vom Spielplatz, Opa Huber, der immer im Rollstuhl am Fenster seines Hauses saß, und einem Typen mit Plastiktüten, alten Klamotten und roter Nase.
Sie staunte ganz schön, als sie uns sah.
„Da will man nun nett sein“, sagte sie kleinlaut „und verpasst das beste auf der Welt. Außerdem: Ihr glaubt nicht, wie schwer es ist, zu anderen nett zu sein. Alle im Dorf habe ich eingeladen, doch bis auf die da haben sie mich bloß ausgelacht.“
Sie deutete auf ihre Gäste, die sich bereits hungrig über unser Festessen hermachten.
„Egal“, meinte sie zufrieden. „Seht, wie es ihnen schmeckt! Gut, nicht?“
Gut? Während wir alle nämlich recht dämlich dreinblickten, aßen Lenas Überraschungsgäste alle Teller und Platten leer.
„Meint ihr, ihr könnt trotzdem noch nett zu mir sein?“, fragte Lena Mama und Papa und sie war nun ein bisschen kleinlaut.
Eigentlich war Papa ja sauer, dann aber grinste er. „Okay, lasst uns heute besonders nett zueinander sein!“
Dann fuhr er los und kaufte neuen Kuchen, während Mama beim Pizzadienst Nachschub bestellte. Es sollte schließlich ein schönes Fest werdenl Und das wurde es auch. So viel gelacht wie an diesem Tag hatten wir lange nicht mehr.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

21. Mai 2015 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle | Schlagwörter: , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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