Ein etwas anderer Sommerausflug

Seltsames ereignete sich neulich im Wald. Psst!

„Guck mal!“, rief Koko. „Frisches Gras und duftige Kräuter“ Er schnupperte. „Riecht fein. Köstlich lecker fein.“
„Wo?“, fragte Luna. „Ich will es sehen, nein, schmecken will ich es. Auf der Stelle.“
„Frisches Gras ist trockenem Heu in der Tat vorzuziehen“, bemerkte Diva. „Da wächst doch gleich mein Appetit.“
Mit gemächlichem Schritt folgte sie ihren Freunden Koko und Luna. Die standen bereits an der Grenze zum Nachbargrundstück und reckten die Hälse über den Zaun.
„Hm hm!“, murmelte Diva. „Frisch gemähtes Gras mit süßen Blüten. Lecker! … Nur, hm … es liegt auf der falschen Seite.“
„Und? Ist das ein Problem ?“ Luna tauchte den Kopf tief in Nachbars Wiese. „Wie köstlich! Wie lecker! Wie … anstrengend!“
„Wohl wahr“, näselte Diva. „Es ist uns nur schwer gegeben, mit gerecktem Hals Nahrung aufzunehmen. Es ist …“
„Es ist ganz einfach“, unterbrach Koko die Kolleginnen. Er nahm Anlauf und stemmte sich mit all seinem Gewicht gegen den Zaun.
„A-a-a-achtung!“
Koko war schwer und der Zaun, der war leicht. Ganz locker nur saßen seine Pflöcke in der Erde. Und ganz locker gelang es Koko, ihn zu Boden zu drücken.
„Bitte sehr, die Damen!“
Beinahe konnte man ein Grinsen in Kokos Gesicht sehen. Und beinahe hätte man das Kichern seiner beiden Freundinnen hören können.
Mit Vergnügen und großem Appetit machten sich die Drei über Nachbars Gras her. Es schmeckte wirklich außerordentlich gut. Und so aßen sie und aßen und wandelten mit gesenkten Häuptern kauend immer weiter in die fremde Wiese hinein.
Heiß war es hier! Nirgendwo stand ein Baum, unter dessen Schatten man sich ein wenig hätte ausruhen können. Nichts.
„Wie ungastlich es hier doch ist!“, beschwerte sich Diva, nachdem sie ihren ersten ‚Frische-Gras-‚Hunger gestillt hatte. „Kein Baum! Kein Strauch! Nichts!“
„Die Sonne brennt auf meinen Pelz“, klagte Luna. „Du liebe Güte!“
„Dann lasst uns hinüber gehen ins Wäldchen!“, schlug Koko vor. „Dort ist es schattig.“
„Wir sollten nach Hause gehen!“, murmelt Luna. „Unsere Menschen machen sich bestimmt Sorgen.“
„Sie scheinen uns nicht zu vermissen“, sagte Diva. „Also lasst uns gehen! Abwechslung versüßt das Leben.“
Sie schlenderte zum Wäldchen hinüber, und die Freunde folgten ihr.
„Es tut gut, einmal etwas anderes zu sehen!“ Koko war sehr zufrieden mit dem Tag.
„Nicht mehr lange“, sagte Luna da. Sie spähte zum Waldweg hinüber. „Ich höre Menschenstimmen. Ich glaube, sie suchen schon nach uns.“
Oh je!
Die drei Freunde spähten durchs Dickicht. Ja, da kamen Menschen. Aber es waren andere Menschen. Fremde Menschen. Es waren Oma und Opa Müllermeier, die eine Wanderung machten.
Opa Müllermeier sah die Freunde als erster. Er erschrak. Stutzte. Starrte. Erbleichte.
„Ich glaube“, murmelte er, „ich habe gerade ein Lama gesehen. Nein, drei. Es waren drei.“
Oma Müllermeier, die nicht gut auf ihren Mann zu sprechen war, schimpfte los:
„Du hättest besser auf das Bier, das dir der nette Herr aus der Wanderhütte angeboten hat, verzichtet. Ich habe dich gewarnt. Man glaube es nicht: Lamas! Sieht der Mann Lamas hier in unserem Wald. Das kommt davon, wenn man zu tief ins Glas schaut. Ich sage es ja immer und …“
Was Oma Müllermeier ja immer sagt, hörten Koko, Luna und Diva, die Lamas vom Lamahof, nicht mehr. Die nämlich hatten sich längst – und schnell – auf den Heimweg gemacht.

© Elke Bräunling

Lamas im Wald? Bei uns hier?
Das Bier war nicht Schuld. Opa Müllermeier hat wirklich Lamas gesehen. An manchen Orten in unserem Land gibt es sie nämlich. Man kann sie besuchen, kann mit ihnen spannende und entspannende Wanderungen machen, man kann mit ihnen kuscheln und Geburtstage feiern, ja, und man kann sogar den Lamaführerschein machen.
Glaubst du nicht? Dann schau mal bei den Odenwaldlamas vorbei! Die sind sehr knuffig und sehr sehr nett (nicht nur die Lamas ;)) und freuen sich über Besuch. Heute Morgen erst habe ich sie wieder getroffen, und drei von ihnen haben ein bisschen gegrinst. Bestimmt waren es Koko, Diva und Luna.

2 Lamas

NEU 2015
Diese Geschichte findest du neben vielen anderen in dem Buch: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Landleben


Taschenbuch:Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Landleben: Geschichten vom Land
Ebook:Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Landleben: Geschichten für Kinder vom Leben auf dem Land

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

13. Juli 2015 von Elke
Kategorien: Freundschaftsgeschichten, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Spaßgeschichten, Tiergeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen