Rechenstunde mit geraden und ungeraden Zahlen

Rechnen kann manchmal kompliziert sein, besonders das Rechnen mit der Zeit

Viel hat Marie heute nach der Schule vor. Nur, womit würde sie am Nachmittag beginnen? Während Frau Starke an der Tafel gerade und ungerade Zahlen aufzählt, rechnet auch Marie. Aber nicht mit Zahlen, sondern mit Plänen.
„Zuerst“, überlegt sie, „werde ich das Hexenbuch zu Ende lesen. Dann muss Mama ein neues Foto von mir schießen und im Computer ausdrucken. Das Foto brauche ich für Arne. Den treffe ich am Bücherbus, wenn ich dort das Hexenbuch abgebe. Aber Halt! Auf dem Foto für Arne muss ich ganz toll aussehen.“
Sie rollte eine Haarsträhne über den Finger. „Vor dem Fotografieren muss ich also erst die Haare waschen. Und ein anderes T-Shirt, eines ohne Prinzessin Lallimee drauf, wäre auch nicht schlecht.“
Marie braucht schon die Finger, um ihre Pläne in die richtige Reihenfolge zu bringen. Während sie noch rechnet, fällt ihr Oma Meier ein. Die hat einen verstauchten Fuß. Marie hat ihr versprochen, nach der Schule mit Hund Theodor einen Spaziergang zu machen und auf dem Rückweg Brot und Obst einzukaufen. Fast hätte sie das vergessen. Marie seufzt und fängt von vorne an. So viele Finger hat sie nicht mehr, um all die Dinge in der richtigen Reihenfolge aufzuzählen.
„Wenn ich das Hexenbuch nicht zu Ende lese, hätte ich die Zeit für Theodor und Oma Meier, dann schnell die Haare waschen und …“
Marie bricht ab. Ohne das Hexenbuch gäbe es keinen Grund, zum Bücherbus zu gehen. Dann würde sie Arne auch nicht treffen und das Foto müsste sie dann auch nicht haben. Doof, das! Von neuem fängt sie an zu überlegen und zu rechnen. Sie denkt und zählt und plant und plant, bis ihr fast der Kopf raucht. Ganz rot sind ihre Backen schon. Doch sie kommt zu keinem Ergebnis. Es ist genau so doof wie mit den geraden und ungeraden Zahlen vorne an der Tafel. Alles, was sie ausrechnet, passt irgendwie nicht. Sie seufzt.
Frau Starke blickt auf. „Marie?“, fragt sie mit einem prüfenden Blick. „Rechnest du auch ordentlich mit?“
Marie seufzt wieder. „Und wie!“, antwortet sie. „Ich muss nur noch üben, wie man aus einem ungeraden Ergebnis ein gerades bekommt. Eines, das passt.“
„Passt?“ Frau Starke begreift nicht ganz. „Wie meinst du das? Es ist doch ganz einfach und wenn du …“
Längst hört Marie nicht mehr zu. Sie brütet bereits an einem neuen Lösungsversuch für ihre „Was-tu-ich-wann-heute-Nachmittag“-Rechenaufgabe.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

13. August 2015 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Schulgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen