Rosen für Oma

Nicht alle Rosen sind die richtigen Rosen für Oma

Zögernd betrat ein kleines Mädchen Frau Krauses Blumenladen und blieb mitten im Raum stehen. Es schloss die Augen, drehte sich mehrfach um sich selbst und schnupperte. Tief und langsam atmete es ein und aus, dann seufzte es zufrieden und blickte auf. Es lächelte.
„Ich suche Rosen für Oma!“, sagte es. „Die schönsten, die Sie haben.“
„Gerne!“ Frau Krause trat zu den Zinkkübeln, in denen die Rosen auf Käufer warteten.
„Welche Farbe hast du dir denn vorgestellt? Rote Rosen zum Beispiel sind Botschafter der Liebe und Bewunderung und die rosa farbenen …“
Das Mädchen schüttelte den Kopf.
„Die Farbe ist nicht wichtig“, antwortete es. „Oma soll sich freuen.“
„Und deine Oma hat keine Lieblingsfarbe?“, erkundigte sich Frau Krause vorsichtig.
„Nein“, sagte das Mädchen.
„Dann schlage ich dir einen bunten Rosenstrauß vor.“ Frau Krause zeigte auf die Rosen in ihrem Angebot. „Darüber wird sich deine Oma …“
„Nein.“ Es klang lauter nun, dieses Nein.
Frau Krause war ein wenig ratlos. „Magst du dir die Blumen selbst aussuchen?“
Das Mädchen nickte. Es trat vor die Kübel und Vasen, schloss die Augen, schnupperte, schüttelte den Kopf, schnupperte wieder, schließlich nickte es.
„Diese da!“, sagte es zufrieden und deutete auf einen Eimer mit Rosen, deren Blütenblätter etwas eingerollt waren und die nicht mehr so schön und frisch aussahen. Es waren Rosen, die Frau Krause in ihrem Garten geschnitten hatte, um ihre Blätter zu trocknen.
„Diese Rosen sind eigentlich nicht mehr zum Verkauf gedacht“, sagte Frau Krause. „Sie sind …“
„Sie sind aber die schönsten“, widersprach das Mädchen.
„Wirklich?“ Frau Krause sah das kleine Mädchen verwundert an. „Hast du sie erwählt, weil sie dir leid tun?“, rätselte sie.
„Nein. Weil sie am schönsten duften. Darum“, antwortete das Mädchen. „Meine Oma kann Blumen nämlich nur mit der Nase sehen und mit den Händen. Sie ist blind.“

© Elke Bräunling

Eine längere Fassung dieser Geschichte findest du hier: Ein Rosenstrauß für Oma

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

15. August 2015 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Geschichten über Gefühle | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Pingback: Ein Rosenstrauß für Oma » Elkes Kindergeschichten

  2. Die Geschichte ist wunderschön und es stimmt auch, die Gartenrosen duften herrlich. Da kommt keine der Zuchtosen mit. Sicher wird sich die Oma freuen. Das Kind ist sehr klug!
    Herzliche Grüße
    Regina

  3. Ich liebe Gartenrosen … und Zuchtrosen mag ich gar nicht. Wie Oma.
    Schade, dass viele Rosenkäufer hier so „blind“ sind.
    Liebgruß und ein Danke und ein schöner Sonntag dir
    Ele

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