Altweibersommer

Altweibersommer – Wenn der Sommer manchmal zurückkehrt

An manchen Tagen im Herbst schleicht sich der Sommer klammheimlich hinter dem Rücken des Herbstes zurück. Er bringt die Sonne mit, lässt sie noch einmal für ein paar Tage warm vom Himmel scheinen und wandert mit ihr durchs Land. Der Sommer ist neugierig. Er möchte sehen, was der Herbst in Wäldern und Gärten, auf Wiesen und Feldern inzwischen angestellt hat. Ja, und ärgern möchte er den Herbst natürlich auch ein bisschen, denn klar, die Leute genießen die warmen Tage und sagen: „Wie schön, der Sommer ist zurückgekehrt!“
Das Sommer lacht, wenn er das hört, und es freut ihn, wenn er sieht, wie sehr sich Herbst ärgert.
Doch der Sommer kommt nicht alleine.
Kleine ‚Sommergeister’ heften sich an seine Fersen und folgen ihm auf seiner Wanderung durch das Land. Dabei gehen sie ihm gewaltig auf die Nerven. Wie einen lästigen Mückenschwarm wehrt der Sommer die Geistermeute deshalb immer wieder ab. Dann sausen die kleinen Geister im Sturzflug viele Kilometer weit durch die Lüfte. Um sich nicht zu verlieren, halten sie einander an ihren langen, silberweißen Haaren fest. Unterwegs machen sie Verschnaufpausen auf Bäumen und Büschen, auf Gräsern und Blumen, auf Mauern und Hausdächern und verlieren dabei überall ihre silberlangen Härchen. Die spannen sich wie unsichtbare Fäden übers Land und funkeln silbrig hell im Sonnenlicht. Irgendwann aber sind die kleinen Geister ganz kahl auf den Köpfen. Da schämen sie sich so sehr, dass sie sich eilig in ihr Schlafquartier verkriechen. Dort bleiben sie, bis ein zarter, hellblonder Frühlingsflaum ihre Köpfe wieder schmückt. Die Menschen aber freuen sich über die Silberfäden, die ihnen im Herbstsonnenlicht entgegen schimmern und rufen:
„Oh, Altweibersommer, wie schön!“
Der Sommer freut sich auch an der Freude der Menschen, doch wenn er dieses Wort ‚Altweibersommer’ ein paar Mal hört, beginnt er sich auf einmal alt und immer älter zu fühlen. Und müde. „Nein“, sagt sich der Sommer, „ärgern will ich mich nicht. Ich bin nur müde. Ein kleines Schläfchen, dann setze ich meine Wanderung fort.“
Und er verzieht sich gähnend in sein Schlafquartier, wo er dann auch sogleich einschläft. Zufrieden schnarcht er vor sich hin, bis ihn im Frühling seine nun wieder hellblond gelockten Sommergeister aus dem Schlaf reißen und wie ein lästiger Mückenschwarm piesacken.
© Elke Bräunling

Und wie Pit die Sache mit den Altweibersommmergeisterchen so sieht, könnt ihr hier nachlesen:
Pit und der Herbstgeisterzauber im Wald

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

15. September 2015 von Elke
Kategorien: Herbstgeschichten, Märchen, Naturgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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