Der seltsame Herbstgeist und die Kinder

Kleine Brüder können manchmal echt nerven

„Ich bin der Herbstgeist, uahhhhh!“
Mit schaurigen Heultönen tobte ein kleiner Geist in den Garten, wo die Kinder ihr Baumhaus bauten.
Der kleine Geist wurde lauter. „Hört ihr nicht? Ich bin der schaurigste Herbstgeist auf der Welt, und wenn ihr nicht auf der Stelle vor mir erschreckt, fresse ich euch alle auf.“
„Es gibt keine Herbstgeister“, lachten die Kinder. „Geh nach Hause, du komischer Möchtegern-Geist!“
„Uahhhh!“, machte der Herbstgeist ärgerlich und schlug mit einem langen Ding, das wie Papas Angelrute aussah, auf das Baumhaus ein. Er schlug und schlug, doch die Kinder lachten nur.
„Geister schlafen jetzt“, sagte eines der Kinder, und der kleine Geist heulte wieder:
„Uahhhh!“
In einem fort heulte er, doch keiner schien Angst vor ihm zu haben. Selbst Kater Leo blieb seelenruhig auf seinem Schlafplätzchen liegen.
Da lief der kleine Herbstgeist davon. Sein Heulen war noch lange zu hören, doch aus der Ferne klang es nun eher wie ein wütendes Weinen, unterbrochen von zornigen Worten: „Mama! Alle sind gemein zu mir. Sie grausen sich nicht. Dabei bin ich doch ein gruselgrausiger Geist. Bäh!“
Dann kehrte Stille ein. „Endlich“, sagte eines der Kinder. „Nun können wir in Ruhe weiter bauen.“
Eine halbe Stunde später tauchte wieder eine Geistergestalt zwischen den Büschen auf. Sie trug einen Teller voller duftender Kuchenstücke.
„Uahhh!“, heulte sie mit grausiger Stimme. „Ich bin der Kuchengeist, doch nur, wer sich vor mir graust, bekommt ein Stück Kuchen. Huaaah! Huaaa!“
Komisch. Jetzt schienen sich alle Kinder mächtig zu fürchten. Eilig rannten sie auf den kleinen Geist zu und zitterten und jammerten.
„Hilfe“, riefen sie. „Ei-ein Geist! W-wir fürchten uns ja so sehr. Tu uns nichts, lieber Geist!“
So ist´s Recht!“, sagte der Herbstgeist, der nun ein Kuchengeist war, und er gab jedem Kind ein Stück Kuchen. „Hier“, sagte er. „Weil ihr euch so sehr vor mir fürchtet, bekommt ihr zum Trost etwas zu essen. Geisterkuchen!“
„Danke, lieber Geist!“, sagten die Kinder.
„Bitte sehr, ihr armen, angstkranken Kinder“, sagte der kleine Geist. „Doch ich muss jetzt weiter geistern. Tschüs und huaaaahhh!“
„Tschüs, lieber Geist!“
Die Kinder machten sich wieder an die Arbeit, und der kleine Geist rannte glücklich zum Haus zurück.
„Kleine Brüder sind die Pest“, sagte eines der Kinder und grinste.
„Aber als Kuchengeist können sie ganz nett sein“, meinte ein anderes.
Klar, dass alle lachten – und der kleine Herbstkuchengeist lachte aus der Ferne mit.
„Nun haben sie sich doch gefürchtet“, murmelte er. Dann überlegte er sich ein neues Spiel.
© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

29. September 2015 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Herbstgeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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