Die armen Blätter

Wie ist das mit den Blättern im Herbst?

Es ist ein schöner Samstagmorgen. Die Sonne scheint, und es ist noch einmal warm geworden nach den kühlen Regentagen.
„Wie wär’s mit einem Waldspaziergang?“, fragt Papa nach dem Frühstück. „Vielleicht finden wir noch ein paar Pilze.“
„Eine gute Idee“, meint Mama. „Ihr geht in den Wald, und ich mache einen gemütlichen Gammeltag.“
Also ziehen Papa, Petra und Möpschen alleine los. Es macht Spaß, durch das Herbstlaub zu schlurfen. Es raschelt so toll. An manchen Stellen liegt das Laub so hoch, dass man das hüpfende Dackel-Möpschen manchmal fast nicht mehr sieht.
„Warum werden die Blätter im Herbst eigentlich bunt“, fragt Petra. „Und warum fallen sie ab? Ja, und warum…“
Papa stöhnt.“Bitte nicht wieder tausend „Warum?“-Fragen auf einmal!“, ruft er und tut, als sei er ganz verzweifelt. Dann aber erklärt er Petra doch die Sache mit den Herbstblättern:
„Also“, beginnt Papa, „die Blätter werden bunt, weil sich die Bäume auf den Winter vorbereiten. Um zu überleben, brauchen sie nämlich viel Feuchtigkeit, die sie im Stamm und in den Wurzeln aufbewahren. Weil ihnen dazu das Wasser aus der Erde nicht reicht, holen sie sich den Blättersaft. So trocknen die Blätter nun langsam aus. Sie werden erst gelb, rot oder braun, und eines Tages sind sie so trocken, dass sie sich nicht mehr an den Zweigen halten können. Da hat der Wind ein leichtes Spiel. Er pustet die Blätter ein bisschen an, und – eins, zwei, drei – wirbeln sie durch die Luft und landen auf dem Boden.“
„Die armen Blätter!“, meint Petra.
Papa lacht. „Oh, ich könnte mir vorstellen, dass sie sich in ihrem bunten Herbstkleid auch ganz gut gefallen. Und das ist doch auch schon was, oder?“
„Na ja“, meint Petra und zuckt die Schultern. „Aber auf den Boden fallen und austrocknen ist trotzdem nicht nett.“
„Nein“, meint Papa. „Das stelle ich mir auch nicht angenehm vor. Aber wenn du dir einen Zweig einmal ganz genau anschaust, was siehst du da an der Stelle, an der das Blatt mit dem Stängel an den Ast angewachsen ist?“
„Hmm.“ Prüfend untersucht Petra einen Ast, an dem noch Blätter hängen. Ja, da spürt sie etwas. Es fühlt sich an wie ein kleiner dicker Knubbel, der da am Ast unterhalb des Blattstieles sitzt. Ob hier im nächsten Jahr ein neues Blatt wachsen wird?
„Ja“, sagt Papa da. „Du siehst es richtig. Das ist schon die neue Knospe. In ihr hält das neue Blatt gut geschützt gegen Frost und Kälte Winterschlaf. Im Frühling dann wird die Knopse dick und dicker, eines Tages platzt sie auf und ein neues Baumjahr mit frischen, grünen Blättern beginnt.“
„Hmm“, macht Petra wieder. „Eigentlich beginnt dieses neue Baumjahr schon jetzt, oder?“ Und nachdenklich reibt sie noch einmal über den ´Knubbel´, der eigentlich nichts anderes als eine neue Blattknospe ist.

© Elke Bräunling

Und warum die Nadelbäume keine bunten Blätter haben, das erzählt dir die Geschichte: „Von bunten Blättern und Nadelbäumen im Herbst“

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

30. September 2015 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Herbstgeschichten, Naturgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | 1 Kommentar

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